Ein Mikroorganismus, der über eine offene Wunde in den menschlichen Körper eindringt und beginnt, den Infizierten von Innen aufzufressen? Klingt eher wie das Drehbuch eines Horrorfilms. Für Aimee Copeland, Studentin aus dem US-Bundesstaat Georgia, wurde das aber bittere Realität.
Es sollte ein harmloser Kajak-Trip werden. Vor elf Tagen war die 24-jährige Aimee Copeland mit Freunden zum Tallapoosa-Fluss aufgebrochen. Heute ringt die Psychologiestudentin mit dem Tod. Dabei hatte sie sich während des Ausflugs lediglich eine Fleischwunde am linken Bein zugezogen - sie war an einem Seil abgerutscht, auf dem die Freunde den Fluss überqueren wollten und war ins Wasser gestürzt.
Der eigentliche Horror folgte danach: Aimee Copelands Wunde wurde mit 22 Stichen genäht - doch sie kehrte schon bald darauf mit starken Schmerzen erneut ins Krankenhaus zurück. Die Diagnose: Sie ist mit Aeromonas hydrophila infiziert - ein "fleischfressendes" Bakterium, womöglich aus dem Fluss, in den sie fiel. Die Ärzte mussten handeln. Um Aimees Leben zu retten, amputierten sie ihr linkes Bein. Womöglich müssen auch noch ihre Finger abgetrennt werden, damit die Infektion gestoppt werden kann, fürchten Mediziner.
Die
"fleischfressenden" Bakterien sind nicht so selten, wie man denkt,
berichtet uns Professor Dr. Wieland Schrödl vom Institut für
Bakteriologie und Mykologie der Universität Leipzig. „Aeromonas spezies sind weltweit verbreitet. Neben Aeromonas hydrophila ist Aeromonas salmonicida als ein typischer bakterieller Erreger von Fischkrankheiten bekannt“, so Schrödl gegenüber Yahoo! Deutschland. Normalerweise reagiert der Körper auf eine Infektion mit Durchfall oder Erbrechen. „Doch Aeromonas hydrophila produziert einige Pathogenitätsfaktoren und ist für den Menschen fakultativ pathogen.“ In einfachen Worten bedeutet das: Gelangen die Bakterien in offene Wunden, wie im Fall von Aimee Copeland - und ist das Immunsystem des Betroffenen geschwächt, können sie im menschlichen Organismus verheerende Schäden anrichten.
Die Bakterien können etwa „Augenentzündungen, Wundinfektionen und auch Gastroenteritiden (Magen-Darm-Entzündungen) in Einzelfällen verursachen“, so Professor Schrödl weiter. Im menschlichen Organismus angelangt, kann sich die gewebefressende Bakterienart schnell vermehren und sondert Giftstoffe ab, welche Haut und Weichteile zerstören. Das Immunsystem ist dann machtlos dagegen. „Bei immungeschwächten Personen kann dieser Erreger auch eine Septikämie, eine Blutvergiftung, verursachen“, weiß Schrödl. Ganz am Anfang einer Infektion kann das betroffene Gewebe noch entfernt werden. Ist das Wachstum der Bakterien-Kolonie jedoch weiter fortgeschritten, hilft meist nur die Amputation der befallenen Gliedmaßen.
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Doch wo lauern die winzigen Erreger? „Ihr Habitat (biologischer Lebensraum) sind Gewässer und Oberflächenwasser. Aeromonas hydrophila kommt in Süßwasser vor. Die Infektion ist also habitat-bedingt auch bei uns in Deutschland möglich, wobei dies (im Vergleich zu Infektionen mit anderen Erregern) nur selten vorkommt“, so Schrödl gegenüber Yahoo! Nachrichten. „Für die Behandlung kommen Antibiotika in Frage. Besonders wichtig ist aber, dass insbesondere der prädisponierte (den Krankheitserregern gegenüber anfällige, da z.B. geschwächte) Personenkreis wesentliche hygienische Maßnahmen wie desinfizierende Wundversorgung, gründliches Waschen der Hände und eine Kontaktminimierung zu potenziellen Infektionsquellen unternimmt. Diese Dinge sind allgemeingültig, insbesondere jedoch für prädisponierte Personen sehr wichtig“, so der Bakteriologe.
Derzeit schwebt Aimee Copeland noch immer in Lebensgefahr. Doch die Ärzte des Augusta Hospitals sind voller Hoffnung. Nach der Amputation des linken Beines wird die 24-Jährige zwar immer noch künstlich beatmet. Ihr Vater Andy, der die Öffentlichkeit mit einem extra eingerichteten Blog („Aimee`s Story In Her Father`s Words“) über den Gesundheitszustand seiner Tochter auf dem Laufenden hält, berichtete aber von großen Fortschritten. Am Montag, berichtet er, habe Aimee das erste Mal wieder gelächelt.
„Fleischfressendes Bakterium“: Studentin kämpft ums Überleben
Von Yahoo! Nachrichten | Yahoo! Nachrichten – Mi., 16. Mai 2012Werden Sie ein Fan von Yahoo! Nachrichten auf Facebook
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