In seiner Ansprache sagte Benedikt, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Er sei sich der Schwere dieser Entscheidung wohl bewusst, erklärte aber in voller Freiheit, das ihm am 19. April 2005 von den Kardinälen anvertraute Amt auf dem Stuhl Petri abzugeben. Die Kardinäle werden gebeten sein, für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes zusammenzukommen.
Papst-Bruder Georg Ratzinger nannte die angeschlagene Gesundheit von Benedikt XVI. als Grund für dessen Rücktritt. "Das Alter drückt", sagte der 89-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantische Reisen mehr zu unternehmen, sagte Georg Ratzinger weiter. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.
Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. ist für seinen langjährigen Kollegen und Freund Max Seckler ein Zeichen der Größe des Kirchenoberhaupts. "Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet", sagte der Tübinger Theologe am Montag der Nachrichtenagentur dpa. "Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt", fügte der 85-Jährige hinzu. "Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch."
Der Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, nannte die Ankündigung einen "Blitz aus heiterem Himmel". Benedikt, seit 2005 im Amt, hatte bereits vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass er es sich durchaus vorstellen könne, etwa aus Gesundheitsgründen das Pontifikat abzugeben. Die Kardinäle waren eigentlich zusammengekommen, um über mehrere neue Heiligsprechungen abzustimmen.
Auf dem Petersplatz herrschte ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen, wir die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Italiens Regierungschef Mario Monti nahm die unerwartete Nachricht erschüttert auf.
Die Erklärung Ratzingers im Wortlaut:
Liebe Mitbrüder!
Ich habe euch zu diesem Konsistorium
nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um
euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche
mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe,
bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des
vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise
den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewußt, daß dieser Dienst
wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt
werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber
die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die
für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und
hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das
Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die
Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten
in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den
mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen. Im Bewußtsein des
Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt
des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der
Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so daß ab
dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl
des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren
Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes
zusammengerufen werden muß.
Liebe Mitbrüder, ich danke euch von
ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last
meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle
meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten
Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine
heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen
Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft,
so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem
Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.
Yahoo! Nachrichten/dpa



