Beirut (dapd). Aus einem von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadtteil der Rebellenhochburg Homs hat das Rote Kreuz 27 Menschen in Sicherheit gebracht. Sieben von ihnen wurden in ein Krankenhaus eingeliefert. Zwei bei einem Raketenangriff verletzte ausländische Journalisten waren offenbar nicht unter den Evakuierten. Auch die Leichen der beiden bei dem Angriff getöteten westlichen Journalisten konnten nicht geborgen werden. Der anhaltenden Gewalt in Syrien fielen nach Angaben von Aktivisten am Freitag wieder Dutzende Menschen zum Opfer.
Ein Team sei am Freitag in das Viertel Baba Amr gelangt, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Ein Oppositionsaktivist vor Ort erklärte über Skype, die Journalisten hätten sich geweigert zu gehen, weil nicht das IKRK, sondern lediglich der Syrische Rote Halbmond nach Baba Amr gekommen sei. Dieser sei voller "Kollaborateure des Regimes". Ein IKRK-Sprecher betonte hingegen, der Rote Halbmond sei unabhängig, die Mitarbeiter riskierten ihr Leben. Das syrische Außenministerium wies "bewaffneten Gruppen" die Schuld zu. Diese hätten sich geweigert, die Journalisten zu übergeben.
Die verletzte französische Journalistin Edith Bouvier, der Brite Paul Conroy und ihr unverletzter Kollege William Daniels hatten um Unterstützung beim Verlassen der Stadt gebeten. Zu der Gruppe gehört weiter der Spanier Javier Espinosa. Getötet wurden die Amerikanerin Marie Colvon und der Franzose Remi Ochlik.
Die Örtlichen Koordinationskomitees erklärte, landesweit seien am Freitag 97 Menschen von Sicherheitskräften getötet worden. Die Zahlen konnten zunächst nicht bestätigt werden. Das Syrische Observatorium für Menschenrechte meldete mindestens 50 Tote. Die "Freunde Syriens", eine Kontaktgruppe aus mehr als 70 Staaten, forderte Präsident Baschar Assad unterdessen zu einer Feuerpause auf, damit humanitäre Hilfe in die von den Kämpfen betroffenen Gebiete gelangen kann.
Zeitung macht "Freunde Syriens" für Gewalt verantwortlich
Nach Auffassung der syrischen Staatsmedien ermutigte die Konferenz der "Freunde Syriens" die "Terroristen" im Land zu weiterem Blutvergießen ermutigt. Die Kritik eines Kommentars in der staatlichen Tageszeitung "Al Thaura" vom Samstag richtete sich besonders gegen den saudiarabischen Außenminister Saud al Faisal, der sich bei dem Treffen in Tunesien für Waffenlieferungen an die syrische Opposition ausgesprochen hatte.
An einem Übergang an der Grenze zwischen Jordanien und Syrien traten arabische Ärzte in einen unbefristeten Sitzstreik. Sie verlangen, dass ihnen die Einreise nach Syrien gewährt wird, damit sie dort Verletzte behandeln können, oder dass den Verwundeten die Ausreise zur medizinischen Versorgung erlaubt wird. Die Gruppe stehe in ständigem Kontakt mit ihren syrischen Kollegen, sagte Mohammed al Chawaldeh von der Union der Arabischen Ärzte. Diese seien "am Ende ihrer Weisheit und flehen um Hilfe".
Deutliche Worte von Obama
US-Präsident Barack Obama richtete am Freitag deutliche Worte der Warnung an das syrische Regime. Die USA und ihre Verbündeten würden jedes verfügbare Mittel nutzen, um das Gemetzel an unschuldigen Menschen in Syrien zu stoppen, sagte Obama, ohne konkrete Maßnahmen zu nennen.
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua warf Europa und den USA mit Blick auf Syrien "hegemoniale Ambitionen" vor. Die chinesische Haltung gegenüber Damaskus sei dagegen ausgewogen. China und Russland hatten die Konferenz der "Freunde Syriens" am Freitag boykottiert. US-Außenministerin Hillary Clinton warf beiden Staaten bei dem Treffen in Tunis wegen deren Vetos gegen eine UN-Syrienresolution ein verachtenswertes Verhalten vor.
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