Zum ersten Mal haben hunderttausende Menschen in aller Welt gegen die Macht der Banken demonstriert. Allein in Deutschland protestierten Zehntausende für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit. In Rom und in London kam es am Rande der Demonstrationen zu Ausschreitungen. An der zentralen Demonstration vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main nahmen bis zu 6000 Menschen teil.
Beteiligt waren unter anderem das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Bewegung "Occupy Frankfurt" ("Besetzt Frankfurt"). Vor der EZB errichteten Demonstranten Zelte für einen längeren Protest. Die Polizei sprach von insgesamt 5000 Teilnehmern, Attac von 6000 Protestierenden. In Berlin zogen nach Angaben von Attac bis zu 10.000 Menschen zum Bundeskanzleramt. Dort verhinderte die Polizei das Aufstellen von Zelten. Bundesweit demonstrierten laut Attac 40.000 Menschen.
In Europa protestierten Kritiker des internationalen Finanzsystems unter anderem in London, Rom, Lissabon, Paris, Madrid und Brüssel und Den Haag. Am Rande der größten Demonstration Europas mit laut Medienberichten bis zu 200.000 Teilnehmern in Rom kam es zu Ausschreitungen. Etwa 100 Vermummte setzten einen Anbau des Verteidigungsministeriums in Brand. Die italienische Polizei ging mit Wasserwerfern gegen sie vor. Zuvor hatten Demonstranten bereits Scheiben von Geschäften und Banken eingeschlagen und mehrere Autos in Brand gesetzt. Laut Polizei wurden drei Menschen verletzt.
Auch in London kam es zu Rangeleien mit den eingesetzten Polizeikräften, als einige der etwa 800 Demonstranten sich in Richtung der abgesperrten Börse bewegten. Vor der St. Paul's Cathedral sagte der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, das Londoner Bankensystem sei "Empfänger von korruptem Geld".
Der künftige EZB-Chef Mario Draghi äußerte Verständnis für die Proteste. "Die jungen Menschen haben ein Recht darauf, empört zu sein", sagte er laut italienischen Medienberichten am Rande des G-20-Finanzministertreffens in Paris. Demonstrationen dürften aber nicht ausarten.
Den Auftakt der Proteste hatten Demonstrationen im asiatisch-pazifischen Raum gebildet. Unter anderem in Hongkong, Tokio, Seoul und Sydney gingen hunderte Menschen auf die Straße.
Vorbild für die Demonstrationen sind die Proteste in den USA, wo Kritiker des Finanzsystems seit Wochen auf einem Platz nahe der New Yorker Börse unter dem Motto "Occupy Wall Street" gegen die Macht der Banken protestieren. In der Ostküstenmetropole demonstrierten am Abend erneut tausende Menschen.


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