WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Ab in die Nische

    Überraschung? Nachdem die "FarmVille"-Schmiede Zynga im Frühjahr damit begann, ihre Spiele auch abseits von Facebook auf zynga.com anzubieten, soll bald der nächste Schritt folgen: Mit Zynga with Friends kündigte der Social-Games-Entwickler ein eigenes Spielenetzwerk an, das die Spieler von "Words with Friends" oder "CastleVille" noch näher zusammenrücken lassen soll. Noch sind Zugangsdaten von Facebook zur Nutzung notwendig, doch ein Ding der Unmöglichkeit scheint die Emanzipation vom Netzwerkriesen nicht: Nischennetzwerke werden immer beliebter. Ein paar Beispiele.

    Irgendwann hatte Jess die Nase voll: Obwohl sie sich als Bloggerin im Netz bestens auskannte, fiel es der passionierten Strickerin immer schwerer, interessante Handarbeitsmuster zu finden. Um sich und anderen Nadelverrrückten das Leben zu erleichtern, hob sie zusammen mit ihrem Programmiersprachen-kundigen Ehemann vor einigen Jahren www.ravelry.com aus der Taufe. Über zwei Millionen Garnkünstler sind dem Netzwerk seither beigetreten und tauschen dort fleißig Muster, Anregungen, Fotos und Tipps aus.

    Das Fußballnetzwerk Kyck hingegen wartet noch auf einen offiziellen Anpfiff: Bisher können Interessenten unter kyck.com nur Zugangscodes anfordern, doch in Kürze soll die Community zur internationalen Anlaufstelle für Fußballfans werden. Die dürfen sich dann nicht nur über Push-Mitteilungen zu von ihnen ausgewählten Begegnungen freuen, sondern auch nach Lust und Laune per Statusupdate Bundestrainer oder Kommentator spielen, ohne Fußballmuffeln damit auf die Nerven zu gehen. Wobei sich in dieser "Nische" hierzulande ja noch recht viele Gleichgesinnte finden lassen.

    Hiesigen Karaoke-Enthusiasten fällt das in der Regel nicht so leicht: Obwohl sich die deutschen Fanchöre bei Fußballspielen durchaus hören lassen können, reagieren viele Bundesbürger eher abwehrend, wenn es um das öffentliche Vorsingen geht. Anders die Mitglieder von RedKaraoke.com: Das Netzwerk stellt Gesangstalenten und Usern, die sich für solche halten, per Web und App eine ordentliche Auswahl an Liedtexten und Begleitmelodien zur Verfügung. Ob sie dann allein vor sich hinträllern oder das Ganze per Webcam anderen zur Verfügung stellt, bleibt den Usern selbst überlassen.

    In der REMcloud hingegen ist Teilen notwendig - denn in ihr geht es um Träume. Anonym halten die Nutzer des Netzwerkes fest, was sie nachts erlebten. Die Träume können dann von den Lesern mit Klick auf Buttons wie "Scray", "LOL" oder "Awesome" bewertet oder auf Gemeinsamkeiten zu eigenen Träumen untersucht werden. Und die scheint es häufig zu geben: Unter remcloud.com findet sich tatsächlich eine Rubrik mit "Trending Dreams" - aktuell beschäftigen iPhones und Zombie-Attacken das Unterbewusstsein der Träumenden offenbar am meisten. Britney Spears darf sich übrigens immer noch eine Traumfrau nennen: Sie führt die Top Fünf der "Celebreties in Dreams" an.

    Doch nur weil ein Netzwerk in seiner speziellen Ausrichtung familärer wirkt als das userstarke Facebook, muss es in puncto Datenschutz noch lange nicht vertrauenswürdiger sein. Stiftung Warentest etwa bemängelte erst kürzlich an der überaus erfolgreichen Restauranttester-Gemeinschaft "Foodspotting", dass die zugehörige App alle E-Mailadressen in die USA weiterreicht, die auf dem Smartphone gespeichert sind. Da kann einem trotz der tollen Fotos, die die App-Nutzer von empfehlenswerten Gerichten posten, gehörig der Appetit vergehen ...

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