Der Chef des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS, Louis Gallois, setzt auf eine baldige Entscheidung über seinen Nachfolger. "Für das Unternehmen wäre es besser, so bald wie möglich eine Entscheidung zu verkünden", sagte Gallois bei der Jahrespressekonferenz von EADS in Hamburg. Die EADS-Tochter Airbus verkündete unterdessen die besten Auftragszahlen ihrer Geschichte.
Trotz des Wunschs nach einer baldigen Lösung der Nachfolgefrage machte Gallois deutlich, dass er keinen Druck auf die Hauptaktionäre Frankreich und Deutschland ausüben wolle. Frankreich soll die Nachfolge durch den deutschen Airbus-Chef Tom Enders derzeit blockieren, um ein angeblich deutsches Übergewicht in dem Konzern zu verhindern.
Enders will Presseberichten zufolge die Posten der Finanz- und Personalvorstände von EADS und dem Tochterunternehmen Airbus beim Mutterkonzern zusammenlegen. Die Posten sollen jeweils mit einem Deutschen und einem Franzosen besetzt werden, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Neuer Airbus-Chef soll der Franzose Fabrice Brégier werden. An der Spitze der Tochtergesellschaft Eurocopter solle der Deutsche Lutz Bertling bleiben. Enders wolle sich dem Druck aus Paris, dieses Personaltableau zu ändern, nicht beugen, heißt es. Die französische Regierung, die eine Ernennung der neuen EADS- und Airbus-Chefs im Dezember verschoben hatte, kommentierte die Berichte nicht.
Enders' aktueller Verantwortungsbereich machte zuletzt gute Geschäfte: Airbus sicherte sich demnach 2011 fast zwei Drittel der weltweiten Aufträge im Flugzeugbau. Mit einer Rekordzahl von 1419 bestellten Maschinen habe der Konzern seinen US-Rivalen Boeing, der 805 Bestellungen eintrieb, zum wiederholten Male abgehängt.
An seine Kunden lieferte der europäische Flugzeugbauer eigenen Angaben zufolge im abgelaufenen Jahr 534 Maschinen. Auch das ist laut dem Unternehmen ein neuer Höchststand. Das spülte Geld in die Konzernkassen: Der Umsatz lag demnach 2011 bei 140,5 Milliarden Dollar (110 Milliarden Euro).
Von den Airbus-Kunden besonders gefragt - und deshalb zuletzt besonders häufig auf der Bestellliste - ist demnach das neue, als besonders verbrauchsarm geltende Modell A320 NEO. Seit der offiziellen Vorstellung im Dezember 2010 seien bereits 1256 Bestellungen für Maschinen dieses Typs eingegangen. 2015 sollen die ersten NEO-Maschinen ausgeliefert werden.
Besser auf Touren kommt mittlerweile auch die Herstellung des Riesen-Fliegers A380, wie Enders sagte. "Nach all den Schwierigkeiten war 2011 das erste wirkliche Produktionsjahr für den A380", sagte er. 26 Superjumbos habe Airbus 2011 ausgeliefert, acht mehr als 2010. 19 neue Maschinen seien vorbestellt. Für 2012 rechne Airbus mit einem weiteren Plus bei Auslieferungen und Bestellungen.


2 Kommentare