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    Aktie des Tages: Infineon

    München (dapd). Die weltweite Konjunkturschwäche trifft den Halbleiterhersteller Infineon mit voller Wucht. Der Konzern schloss das im September abgelaufene Geschäftsjahr zwar mit einem Rekordgewinn von 1,12 Milliarden Euro ab - aber jetzt brechen die Geschäfte ein. Für das Gesamtjahr erwartet Vorstandschef Peter Bauer fünf Prozent weniger Umsatz und ein deutlich schlechteres Ergebnis.

    Die Nachfrage der Automobilindustrie nach Chips für Motorsteuerung, Airbags oder Fensterheber dürfte annähernd stabil bleiben. Aber vor allem China trete im Industriegeschäft, beim Ausbau des Schnellzugnetzes und beim Ausbau der Windenergie überraschend stark auf die Bremse, erklärte Bauer. Bei Chips für Verbrauchsgüter wie Waschmaschinen, Laptops oder Fernseher spüre Infineon wachsenden Preisdruck. "In den letzten Wochen haben sich unsere Auftragseingänge stark abgeschwächt. Wir gehen davon aus, dass es ein schwaches Halbleiter-Jahr wird", sagte der Vorstandsvorsitzende.

    Die Börse reagierte enttäuscht. Obwohl Bauer eine zumindest stabile Dividende ankündigte, verlor die Infineon-Aktie nach dem trüben Ausblick über vier Prozent und wurde zum Schlusslicht im DAX.

    Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2010/11 legte Bauer eine Rekordbilanz vor: Der Umsatz stieg um 21 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis der fortgeführten Geschäfte verdoppelte sich. Zusammen mit dem Erlös der an Intel verkauften Handychip-Sparte blieb unter dem Strich ein Gewinn von 1,12 Milliarden Euro, nach 660 Millionen Euro im Vorjahr. "Alle Ziele erreicht", sagte Bauer, der Infineon nach Jahren mit Milliardenverlusten radikal umgebaut und in die Gewinnzone geführt hat.

    Aber der Gipfel ist erst einmal überschritten - seit Oktober ist Infineon auf Talfahrt. Der Umbau habe den Konzern robuster gemacht - aber "wir sind natürlich nicht immun gegen Konjunkturschwankungen", sagte Bauer. Im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 rechnet er mit einem Umsatzeinbruch von zehn Prozent. Die Gewinnmarge, die im abgelaufenen Jahr noch stolze 20 Prozent betrug, dürfte auf knapp 14 Prozent sinken.

    Bis Sommer nächsten Jahres dürfte der Abschwung weitergehen, bis sich ein neuer Boden bilde, sagte Bauer. Im Gesamtjahr erwartet er einen Umsatzrückgang von fünf Prozent und eine niedrigere Gewinnmarge in der Größenordnung von 10 bis 15 Prozent.

    Aber ein Stellenabbau ist nicht geplant, und auch die Investitionen sollen auf dem hohen Niveau des Vorjahres bleiben. Die langfristigen Trends seien intakt, und die Fokussierung auf Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheitskarten werde Infineon "profitables Wachstum durch den Zyklus" sichern, sagte der Vorstandsvorsitzende.

    Das Unternehmen hat mehr als zwei Milliarden Euro in der Kasse und ist auf Einkaufstour. Im Abschwung fielen die Preise, da könnte man "den ein oder anderen Wettbewerber schlucken", sagte Finanzvorstand Dominik Asam. Aber in den nächsten zwei, drei Monaten gebe es nichts zu verkünden, betonte Bauer. Geld werde auch für den Ausbau der Werke in Dresden und Malaysia sowie wohl auch für den Insolvenzverwalter der früheren Speichersparte Qimonda gebraucht.

    dapd

     

    1 Kommentar

    • Wolfgang H  •  vor 6 Monaten
      Hört sich ja alles recht schön an! Doch was haben die Aktionäre davon? Offenbar nichts.