New York (dapd). Beim Handel mit komplexen Finanzprodukten hat die US-Großbank JPMorgan Chase in den vergangenen sechs Wochen zwei Milliarden Dollar (etwa 1,54 Milliarden Euro) verloren. "Das Portfolio hat sich als risikoreicher, verletzlicher und für eine wirtschaftliche Absicherung weniger effektiv erwiesen als wir dachten", räumte der Vorstandsvorsitzende der größten Bank der USA, Jamie Dimon, am Donnerstag ein. "Es gab viele Fehler, Schlampereien und schlechtes Urteilsvermögen."
Mit dem betroffenen Paket wollte sich das Institut eigentlich gegen Risiken bei Geldgeschäften absichern. Die Aktien von JPMorgan sackten nach der Bekanntgabe des Verlustes im vorbörslichen Handel um fast neun Prozent ab. Auch Wertpapiere anderer Banken gaben nach. Offenbar befürchteten die Anleger nach dem Milliardenverlust bei JPMorgan schärfere Regularien für riskante Finanzgeschäfte.
Der Kurs der Citigroup gab 3,3 Prozent nach und die Papiere der Bank of America sanken um 2,9 Prozent. Morgan Stanley verlor 2,4 Prozent, Goldman Sachs 2,2 Prozent. In Großbritannien gaben die Kurse von Barclay und Royal Bank of Scotland jeweils um rund zwei Prozent nach.
JPMorgan teilte mit, allein im Segment Corporate und Private Equity sei mit Einbußen von 800 Millionen Dollar zu rechnen. In dem Geschäftsfeld hatte das Kreditinstitut ursprünglich auf einen Gewinn von 200 Millionen Dollar gehofft. Laut Dimon wird der Verlust auch Auswirkungen auf die Bilanz im zweiten Quartal haben, das am 30. Juni endet.
Im April hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, ein einzelner Händler von JPMorgan in London habe so große Geldsummen bewegt, dass er die Preise im zehn Billionen Dollar schweren Anleihenmarkt beeinflussen konnte. Die Verluste hätten etwas damit zu tun gehabt, sagte Dimon, das Problem sei jedoch noch weitreichender.
Der Vorstandsvorsitzende räumte ein, das Unternehmen hätte den Geschäftsbereich strenger kontrollieren sollen. Er entschuldigte sich für die verlustreichen Spekulationen: "Wir werden das zugeben, daraus lernen, das wieder geradebiegen und dann weitergehen", sagte er in einer eilig einberufenen Konferenz zu Wertpapieranalysten. Das verlustreiche Portfolio soll nun in einer "verantwortungsbewussten Art und Weise" aufgelöst werden. Laut Analysten sind dabei weitere Verluste möglich.
JPMorgan hatte die Finanzkrise im Jahr 2008 nicht zuletzt deswegen besser weggesteckt als die Konkurrenz, weil es von risikoreichen Investitionen die Finger gelassen hatte.
"Der enorme Verlust, den JPMorgan heute verkündete, ist nur ein neuer Beweis, dass das, was die Banken als Absicherungen bezeichnen, oft riskante Wetten sind", sagte der demokratische US-Senator Carl Levin. "Die sogenannten Großbanken sollten damit nichts zu tun haben."
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