In Syrien haben Aufständische und die Armee weiter erbittert um die Kontrolle der Hauptstadt Damaskus und der Wirtschaftsmetropole Aleppo gerungen. Dabei setzte das Militär nach Angaben von Aktivisten wieder Kampfhubschrauber und Panzer ein. Tausende Menschen flohen in die Nachbarstaaten Syriens, wo die Lage der Flüchtlinge immer dramatischer wurde.
In Damaskus griffen syrische Eliteeinheiten die Stadtviertel Barse, Rukneddin und Masse an. Die Behörden erklärten, die Armee habe das Viertel Kabun "gesäubert". Dort seien zahlreiche "Terroristen" getötet worden. Laut der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es in Masse parallel zum Beschuss Hausdurchsuchungen der Sicherheitskräfte.
Im nordwestsyrischen Aleppo hielt die oppositionelle Freie Syrische Armee (FSA) nach Angaben eines Aktivisten die Stadtteile Sahur, Hanano und Sajf al-Daula. Die Rebellen kündigten eine "Befreiungsschlacht" um Aleppo an. Am Dienstag hatten sie bereits eine Offensive in Damaskus gestartet, die von der Armee seit Freitag erwidert wird.
Bei der Gewalt in Syrien wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle am Wochenende mehr als 180 Menschen getötet. Wie die Aktivisten weiter mitteilten, liegt die Zahl der Toten seit dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad Mitte März 2011 inzwischen bei mehr als 19.000 Menschen, darunter mehr als 13.000 Zivilisten.
Die Lage an den Grenzen zum Irak und zur Türkei blieb unübersichtlich. Die Rebellen kontrollierten einen der drei wichtigsten Grenzposten zum Irak und drei von zwölf Übergängen zur Türkei. Die türkische Armee stationierte einem Medienbericht zufolge mehrere Boden-Luft-Raketen an der Grenze zu Syrien.
Israel machte derweil erneut auf die mögliche Bedrohung durch die Chemiewaffen Syriens aufmerksam. Laut Verteidigungsminister Ehud Barak will Israel verhindern, dass syrische Chemiewaffen in den Libanon gelangen und dort der radikalislamischen Hisbollah-Miliz in die Hände fallen.
Aus Syrien flohen erneut tausende Menschen. Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) brachten sich binnen 48 Stunden bis zu 30.000 Menschen aus Damaskus in Sicherheit. Allein in Jordanien trafen nach Angaben einer Nichtregierungsorganisation am Sonntag 2000 Syrer ein. Für die Versorgung der dort insgesamt eingetroffenen mehr als 140.000 Flüchtlinge gaben die USA mittlerweile 100 Millionen Dollar (82 Millionen Euro) an Hilfen frei.
Syrien warf dem Westen indes vor, Hackerangriffe auf die staatlichen Medien des Landes zu planen, um Falschmeldungen über die Führung in Damaskus verbreiten zu können. Westliche Geheimdienste planten mit der Hilfe von "arabischen Gruppierungen", die Frequenzen der syrischen Satellitenkanäle zu knacken, erklärte das syrische Informationsministerium nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Die Pläne seien Teil eines "Komplotts gegen Syrien", der darauf abziele, Falschmeldungen wie einen Sturz der Führung oder einen Staatsstreich zu verbreiten.
In zwei Flüchtlingslagern in der Türkei kam es derweil zu Zusammenstößen zwischen Bewohnern und der Polizei. Die Gewalt ereignete sich nach türkischen Angaben, als Flüchtlinge bei Protesten gegen fehlende Nahrungsmittel und Geld mit Steinen warfen.




