Die Beschäftigten der insolventen Schlecker-Töchter Ihr Platz und Schlecker XL müssen wieder um ihre Arbeitsplätze bangen. Nach erfolglosen Verhandlungen mit dem Kreditversicherer Euler Hermes, zog der bereits als sicherer Käufer gehandelte Investor Dubag sein Angebot zurück, wie die Insolvenzverwaltung mitteilte. In den Filialen des Schlecker-Mutterkonzerns begann derweil am Freitag der Ausverkauf.
Dubag und Euler Hermes, "konnten sich in den Verhandlungen vom Freitag nicht auf eine Lösung zur Fortführung der Drogeriemarktkette Ihr Platz verständigen", hieß es von der Insolvenzverwaltung. Die Eckpunkte des Fortführungskonzepts seien "nicht einigungsfähig" gewesen. "Es konnte daher schlussendlich der notwendige Konsens für eine Vertragsunterzeichnung nicht erzielt werden."
Euler Hermes ist einer der Hauptgläubiger im Insolvenzfall Schlecker. Die Allianz-Tochter hatte Lieferungen an den Konzern versichert, die dieser bei seiner Insolvenz noch nicht bezahlt hatte.
Bereits im Vorfeld der Verhandlungen am Freitag habe Dubag seine Offerte für die Schlecker-XL-Märkte zurückgezogen, teilte die Insolvenzverwaltung weiter mit. Hierfür seien "arbeits- und mietrechtliche Themen" ausschlaggebend gewesen. Über weitere Details der Verhandlungen hätten beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Für Ihr Platz werde Insolvenzverwalter Werner Schneider nun eine neue Lösung suchen und dafür in den kommenden Tagen Gespräche aufnehmen.
Ihr Platz betreibt derzeit 490 Filialen mit knapp 4000 Mitarbeitern in Deutschland. Schlecker XL beschäftigt 1100 Mitarbeiter in 342 Filialen. Im Zuge der Insolvenz des Schlecker-Mutterkonzerns waren beide Unternehmensteile mit in die Insolvenz gerutscht.
Während die Abwicklung des Mutterunternehmens bereits beschlossen ist, galt das Überleben von Ihr Platz und Schlecker XL zum Wochenbeginn bereits als sicher: Am Montag hatte die Insolvenzverwaltung mitgeteilt, dass der Vertrag zur Übernahme von Ihr Platz bereits unterzeichnet sei. Die Vertragsunterzeichnung für Schlecker XL solle "kurzfristig erfolgen". Dubag hatte demnach vor, beide Ketten unter der Marke Ihr Platz zusammenzuführen.
Mit Euler Hermes ruderte aber einer der wichtigsten Gläubiger zurück und meldete zusätzlichen Verhandlungsbedarf an. Der "Wirtschaftswoche" zufolge erhöhte der Versicherer seine Forderung für die Waren in Lagern und Regalen bei Ihr Platz und Schlecker XL um ein Drittel.
Während die Beschäftigten bei Schlecker XL und Ihr Platz nun wieder um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, begann in übrigen Schlecker-Läden am Freitag der Ausverkauf. Mit Rabatten von 30 bis 50 Prozent will die vor der Zerschlagung stehende Kette in den kommenden Wochen ihre Regale leeren. Bis Ende Juni sollen die meisten Läden geschlossen werden.


