Nach dem Scheitern einer UN-Resolution zum Syrien-Konflikt setzen Frankreich und Deutschland auf eine Kontaktgruppe, um dem Blutvergießen in dem Land Einhalt zu gebieten. Die Kontaktgruppe solle schon bald Vorschläge unterbreiten, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Paris. Mindestens 69 Menschen starben nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bei neuer Gewalt in Syrien.
Deutschland und Frankreich seien nicht nur "enttäuscht, sondern entsetzt", dass keine UN-Resolution zustande gekommen sei, sagte Merkel nach einem Treffen mit Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy. Dieser versicherte, beide Länder würden das syrische Volk nicht fallen lassen.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der sich beim deutsch-französischen Ministerrat in Paris mit seinem Kollegen Alain Juppé ausgetauscht hatte, sagte, die Arbeit zu Syrien solle in der Kontaktgruppe konkretisiert werden. Wichtig sei dabei eine Einbindung der Arabischen Liga und der Türkei.
China und Russland hatten am Wochenende eine gemeinsame Resolution des UN-Sicherheitsrats zum Syrien-Konflikt mit ihrem Veto verhindert. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf dem Westen derweil "Hysterie" vor. Er will am Dienstag in Damaskus Staatschef Baschar al-Assad treffen und ihm eine Botschaft von Präsident Dmitri Medwedew übermitteln.
Das Weiße Haus warnte indes Russland und China, dass ihre Unterstützung für Assad sich nicht auszahlen werde. "Auf Assad zu setzen ist ein Rezept zum Scheitern", sagte Sprecher Jay Carney. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums liefen in letzter Zeit zudem mehrere ranghohe syrische Offiziere zur Opposition über. Das US-Finanzministerium erklärte, seinen Sanktionsbeauftragten Daniel Glaser nach Moskau geschickt zu haben, um über US-Strafmaßnahmen gegen Syrien und den Iran zu sprechen.
Aus Sicherheitsgründen schlossen die USA ihre diplomatische Vertretung in Syrien; Großbritannien rief seinen Botschafter "für Beratungen" nach London zurück. Die deutsche Botschaft ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes noch geöffnet, das Personal aber "stark ausgedünnt".
Die syrische Protesthochburg Homs wurde am Montag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wieder massiv mit Raketen beschossen. Dabei seien 42 Menschen getötet worden. Landesweit starben demnach mindestens 69 Menschen, 66 von ihnen waren Zivilisten. Laut der Beobachtungsstelle stürmten zudem "hunderte von gepanzerten Fahrzeugen der syrischen Armee" die im Nordwesten von Damaskus gelegene Stadt Sabadani. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte, eine solche Gewalt sei "für die Menschheit nicht hinnehmbar".


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