Bei den zweitägigen Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Bagdad hat es keinen Durchbruch gegeben. Die UN-Vetomächte und Deutschland einigten sich am Donnerstag mit Teheran aber darauf, die Verhandlungen am 18. und 19. Juni in Moskau fortzusetzen, wie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte. Großbritannien und Frankreich drohten mit neuen Strafmaßnahmen, sollte es in Moskau kein Ergebnis geben.
Es gebe noch "deutliche Meinungsverschiedenheiten", erklärte Ashton. Teheran habe aber zumindest zugestimmt, über die umstrittene Urananreicherung zu sprechen. Vor dem Moskauer Treffen werde es "intensive Kontakte" zum Iran geben. Es bestünden Gemeinsamkeiten und der Wunsch, Fortschritte zu erzielen. Der iranische Unterhändler Said Dschalili sagte, der Iran habe das "absolute Recht", Uran anzureichern.
Ziel der fünf UN-Vetomächte (USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien) und Deutschlands sowie der EU ist es vor allem, den Iran davon abzubringen, Uran auf 20 Prozent anzureichern. Der Westen befürchtet, Teheran könne später mit einer Anreicherung auf 90 Prozent waffenfähiges Uran produzieren. Der Iran fordert im Gegenzug eine Lockerung der internationalen Sanktionen.
Der britische Außenminister William Hague erklärte nach den Verhandlungen in Bagdad, der Iran müsse "konkrete Schritte" unternehmen, damit Fortschritte möglich seien. Ansonsten werde der "Druck anhand von Sanktionen zweifelsohne erhöht". Zunächst aber würde alles unternommen, um auf diplomatischem Weg zu einer "friedlichen" Lösung zu kommen.
Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius drohte mit "neuen Maßnahmen", sollte es in Moskau keine greifbaren Ergebnisse geben. Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland hätten dem Iran eine "Reihe konkreter Maßnahmen" vorgelegt, die darauf abzielten, auf eine ausschließlich zivile Nutzung der Atomenergie vertrauen zu können.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, die Gespräche hätten "einmal mehr gezeigt, wie mühsam der Verhandlungsweg ist". Dem in Bagdad erfolgten "Einstieg in substanzielle Gespräche" sollten in Moskau "belastbare Schritte zur Vertrauensbildung" folgen. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte er zudem, Deutschland sei bereit, dem Iran technologisch bei der zivilen Nutzung der Atomenergie zu helfen. Das Land habe ein Recht auf eine zivile Nutzung, müsse aber nachvollziehbar auf jede Option einer nuklearen Bewaffnung verzichten.
Die USA und ihre Verbündeten verdächtigen den Iran, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran bestreitet das. Nachdem Dschalili seit 2009 nicht mehr direkt mit den US-Verhandlungsführern sprach, sollen beide Seiten laut westlichen Diplomaten am Donnerstag am Rande der Gespräche kurz zu einem seltenen Gespräch zusammengekommen sein. Der Iran bestritt dies jedoch gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.



