Nach der Aufdeckung der Zwickauer Terrorzelle wächst die Kritik am Einsatz von V-Leuten in der rechtsextremen Szene. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte in Leipzig, das Instrument gehöre "ernsthaft auf den Prüfstand". Die SPD erwägt einen Untersuchungsausschuss zum Einsatz der Informanten, während Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die V-Leute verteidigte.
Kauder sagte auf dem CDU-Parteitag in Leipzig, im Zusammenhang mit der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle müsse die kritische Frage gestellt werden, warum die Aufdeckung trotz Einsätzen von V-Leuten so lange gedauert habe. "Ein Instrument, was uns nichts bringt, das brauchen wir auch nicht", sagte er. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte im ZDF-Morgenmagazin, es gebe deutliche Hinweise darauf, dass der Einsatz von V-Leuten nicht zu mehr Sicherheit geführt habe, sondern "die Vielzahl an V-Leuten in der rechtsextremen Szene sogar das Gegenteil bewegt".
Der Bundesinnenminister hält es hingegen für notwendig, dass der Staat durch die V-Leute Informationen über die Strukturen der NPD bekommt. Mit Blick auf die wieder aufgeflammte Debatte um ein neues NPD-Verbotsverfahren äußerte sich der CSU-Politiker skeptisch. Dafür müssten sämtliche V-Leute abgezogen werden, wodurch die Behörden über Jahre keinen Einblick mehr in die Strukturen der NPD hätten, sagte Friedrich im Bayerischen Rundfunk.
Die CDU will die Chancen für ein neues NPD-Verbotsverfahren prüfen. Die Delegierten des CDU-Bundesparteitages verabschiedeten dazu einen entsprechenden Initiativantrag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte allerdings, vor einem Verbotsverfahren müssten die Erfolgsaussichten geprüft werden. "Wir müssen uns sehr sicher sein, dass das vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat", sagte Merkel in der ARD-Sendung "Bericht vom Parteitag".
SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte indes: "Das Verbot der NPD muss kommen - völlig unabhängig von der Mordserie." Er könne keinem Menschen erklären, "dass diese Typen ihre braune Propaganda verbreiten dürfen und dafür auch noch Steuergelder bekommen", sagte er "Spiegel online".
Nach der Aufdeckung der rechtsextremen Zwickauer Gruppierung, die für bundesweit neun Morde an Kleinunternehmern ausländischer Herkunft und auch für den Mord an einer Heilbronner Polizistin verantwortlich sein soll, war der Verfassungsschutz ins Zwielicht geraten. Es geht dabei vor allem um die Frage, warum die Ermittlungsbehörden nicht früher auf ihre Spur gekommen war.
In Thüringen soll eine unabhängige Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundesrichters Gerhard Schäfer die Rolle des Verfassungsschutzes untersuchen. Es müsse vor allem geklärt werden, warum es nicht gelungen sei, das rechtsextreme Trio um Beate Z. nach ihrem Abtauchen 1998 zu fassen, sagte Thüringens Innenminister Jörg Geibert (CDU) in Erfurt.
Beate Z. und die inzwischen toten Uwe B. und Uwe M. stehen im Verdacht, 1998 die rechtsextreme Gruppierung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) gegründet zu haben, die hinter der bundesweiten Mordserie stehen soll. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" soll sich ein ehemaliger Mitarbeiter des hessischen Verfassungsschutzes im April 2006 zum Zeitpunkt des Mordes an einem Türken in Kassel am Tatort aufgehalten haben. Die Bundesanwaltschaft wollte dazu keine Stellung nehmen.


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