Beirut (dapd). In Syrien haben die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen auf die Millionenstadt Aleppo übergegriffen. Aktivisten berichteten von heftigen Gefechten den zweiten Tag in Folge. Augenzeugen erklärten, die Kämpfe am Samstag gehörten zu den bisher schwersten in der nordsyrischen Stadt. Bisher stand Aleppo, die bevölkerungsreichste Stadt des Landes mit knapp 1,7 Millionen Einwohnern, loyal zum syrischen Präsidenten Baschar Assad und blieb von den Unruhen im Land weitgehend verschont.
"Der Aufstand hat Aleppo erreicht", sagte der Aktivist Mohammed Said via Skype aus der Stadt. In der Nacht seien mehrere Stunden lang gewaltige Explosionen und viele Schüsse zu hören gewesen. Zahlreiche Rebellen der Freien Syrischen Armee seien nach Aleppo gekommen und kämpften nun gegen Regierungssoldaten. Die Gefechte seien hauptsächlich auf den Stadtteil Salaheddine im Zentrum beschränkt. Viele Bewohner seien in sicherere Gebiete geflohen.
Aus der Hauptstadt Damaskus meldeten Aktivisten und Einwohner am Samstag eine gespannte Ruhe. Allerdings seien die Nacht hindurch gelegentlich Explosionen und Schüsse zu hören gewesen. An den Zufahrten nach Damaskus errichteten die Behörden Kontrollstellen, um die Innenstadt von aufständischen Vororten abzuriegeln. Nach Angaben von Bewohnern konnten viele Lebensmittelgeschäfte ihre Vorräte deshalb nicht auffüllen. Müll sammelte sich in den Straßen. "Die Spannung ist greifbar, die Menschen haben Angst vor dem, was kommen mag", sagte ein Bewohner, der nicht genannt werden wollte.
In Damaskus wie in Aleppo leben Angehörige der syrischen Elite, die von den engen Verbindungen zum Regime von Assad profitierten. Seit Monaten gewannen die Rebellen jedoch im Umland von Aleppo Unterstützung, während sich in der Stadt Ärger über das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen Regimegegner breitmachte. Besonders die Studenten in Aleppo protestierten immer wieder gegen die Regierung.
Immer mehr Syrer fliehen vor den zunehmend blutigen Kämpfen in ihrem Land. Innerhalb von 48 Stunden seien zwischen 8.500 und 30.000 Syrer über die Grenze in den Libanon geflohen, teilte die UN am Freitag mit. Auch Tausende Exiliraker kehrten in ihre Heimat zurück.
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