Bei der ersten Wahl nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak hat es in Ägypten offenbar eine hohe Beteiligung gegeben. Die Wahlkommission verlängerte deshalb die Öffnungszeit der Wahlbüros. Diese schlossen um 21.00 Uhr Ortszeit (20 Uhr MESZ), zwei Stunden länger als ursprünglich vorgesehen. Am Dienstag werden die Abstimmungslokale erneut geöffnet sein. Nach Angaben der Wahlkommission wurden zunächst keine Zwischenfälle beim Ablauf der Parlamentswahl bekannt.
Rund 40 Millionen Wahlberechtigte dürfen über insgesamt 498 Mitglieder des Abgeordnetenhauses abstimmen, zehn weitere Parlamentarier benennt die Armee. Die jahrzehntelang verbotenen Muslimbrüder gehen als Favoriten ins Rennen. Zudem geht "Der ägyptische Block", ein ebenfalls nach Mubaraks Sturz ins Leben gerufenes Bündnis aus 15 liberalen Gruppierungen, ins Rennen. Der Partei gehört unter anderem der Millionär Nagib Sawiris an. Auch mehrere Ex-Mitglieder von Mubaraks aufgelöster "Nationaldemokratischer Partei" dürfen antreten.
Das neue Parlament wird in einer monatelangen Prozedur gewählt. Insgesamt dauert der erste Urnengang in mehreren Schritten knapp sieben Wochen, das Endergebnis wird für Mitte Januar erwartet. Erst danach werden bis Mitte März die Mandate für die zweite Kammer vergeben.
Derzeit herrscht in Ägypten ein Militärrat, der vor wenigen Tagen Kamal el Gansuri als Übergangsregierungschef einsetzte. Zehntausende Demonstranten forderten in den vergangenen Tagen den Rücktritt des Rats. Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden dutzende Menschen getötet.
Unter Mubarak, der am 11. Februar auf Druck der Massen zurückgetreten war, hatte stets seine Regierungspartei die Wahlen gewonnen. Die Opposition monierte regelmäßig massive Wahlfälschungen. Nach Tunesien und Marokko ist Ägypten das dritte Land in Nordafrika, das nach den Umstürzen vom Frühjahr neu wählt.


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