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    Ägypter entscheiden in Stichwahl über Präsidentenamt

    Ex-Regierungschef Schafik gegen Muslimbruder Mursi

    Inmitten anhaltender politischer Spannungen hat in Ägypten die zweitägige Stichwahl um das Präsidentenamt begonnen. Noch vor Öffnung der Wahllokale um 8.00 Uhr bildeten sich teilweise lange Schlangen, wie ein AFP-Reporter in Kairo berichtete. Bei dem historisch bedeutsamen Urnengang treten Mohammed Mursi von den Muslimbrüdern und Ahmed Schafik, der letzte Regierungschef des gestürzten Machthabers Husni Mubarak, an.

    Insgesamt sind knapp 50 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl aufgerufen. Bei der ersten Runde war Mursi mit 24,7 Prozent der Stimmen auf den ersten Platz vor Schafik gekommen, der 23,6 Prozent erhielt. Mit einem offiziellen Ergebnis wird erst am 21. Juni gerechnet. Die Abstimmung, die zwei Tage nach der umstrittenen Entscheidung zur Auflösung des erst vor wenigen Monaten gewählten Parlaments stattfindet, wird von 150.000 Soldaten und zahlreichen Polizisten begleitet.

    Das Verfassungsgericht hatte am Donnerstag entschieden, dass mehrere Artikel des Wahlgesetzes verfassungswidrig seien, und die Zusammensetzung des Parlaments daher unrechtmäßig sei. Zugleich bestätigte sie die Rechtmäßigkeit der Kandidatur Mursis. Mit der Entscheidung zur Auflösung des von den Islamisten dominierten Parlaments stellte das Gericht den gesamten Zeitplan zur Übergabe der Macht vom Militärrat an eine demokratisch gewählte Regierung in Frage.

    Die Wahl zwischen Mursi und Schafik ist für viele Ägypter eine Entscheidung zwischen zwei Übeln. Viele fürchten, dass im Fall eines Siegs des früheren Luftwaffengenerals Schafik die alte Riege wieder an die Macht zurückkehren könnte. Ein Sieg des Islamisten Mursi erscheint besonders religiösen Minderheiten und säkularen Kräften jedoch als kaum wünschenswerter, da sie in diesem Fall eine Islamisierung von Staat und Gesellschaft fürchten.

    Am Morgen bildeten sich in Kairo noch vor der Öffnung der Wahllokale lange Schlangen. Hunderte Wähler drängten sich vor einer Schule im Viertel Tschobra, wo zahlreiche koptische Christen leben, wie ein AFP-Reporter berichtete. Nach der ersten Runde hatten viele Kopten zur Wahl Schafiks aufgerufen. In der ersten Runde Ende Mai lag die Wahlbeteiligung bei knapp 50 Prozent. Am Mittag verlängerte die Wahlkommission die Öffnungszeit der Wahllokale bis 21.00 Uhr.

    UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ließ seinen Sprecher erklären, er hoffe, dass die zweite Runde der Präsidentschaftswahl "in einer friedlichen und offenen Atmosphäre abläuft". Ban habe die "lebhafte Debatte" über die Annullierung der Parlamentswahl verfolgt. US-Verteidigungsminister Leon Panetta drängte laut seinem Ministerium den Vorsitzenden des Militärrats, Hussein Tantawi, in einem Telefonat zur baldigen Abhaltung neuer Parlamentswahlen.

    Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, für den Weg in Richtung Demokratie sei eine "funktionierende Legislative" notwendig. "Die Arbeitsfähigkeit des ägyptischen Parlaments sollte deshalb so schnell wie möglich wieder hergestellt werden", forderte Westerwelle.

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