Ausnahmsweise mal blau zu machen und sich dafür einer kleinen Flunkerei zu bedienen, ist sicher kein Kapitaldelikt. Aber was sich ein Musiklehrer in Schottland leistete, überschritt eindeutig die Grenzen der Pietät: Er behauptete, in einem Autounfall ein Mädchen getötet zu haben - eine Lüge, damit er sich eine Auszeit vom Schulalltag nehmen konnte. Das ist nicht die einzige Geschichte, die der Pädagoge erfunden hat, um seinen Beruf nicht ausführen zu müssen. Dennoch will er nun zurück in den Schuldienst.
Erst waren es nur relativ harmlose Schwindeleien, mit denen sich der Lehrer an der „Calderhad High School“ im schottischen North Lanarkshire ein paar Auszeiten erschlich. So hatte er beispielsweise während des Vulkanausbruchs auf Island behauptet, aufgrund der Aschewolke „festzusitzen“, weshalb er nicht zum Unterricht kommen könne. In Wahrheit war der Mann zu jener Zeit zu Hause in Glasgow.
Doch auch wenn diese Lüge auch schon recht dreist erscheint - sie war erst der Anfang. „Dann log er, dass er ein Mädchen überfahren und sie getötet habe – er sagte, er habe gespürt, wie sein Auto über ihren Körper fuhr“, so Schulleiterin Joyce Kilmartin laut „Daily Telegraph“ in einem offiziellen Statement. Der Lehrer hat die Lüge inzwischen eingeräumt.
Schon im April 2011 waren Kollegen erstmals misstrauisch geworden und hatten ihn bei der Schulaufsichtsbehörde „General Teaching Council for Scotland“ (GTCS) gemeldet. Damals zeigte sich der Musiklehrer nicht etwa reumütig und einsichtig, im Gegenteil. Wie „The Scottish Sun“ berichtet, soll er daraufhin in betrunkenem Zustand auf „Facebook“ seine Kollegen unter anderem als „Schlampen“ beschimpft haben. Außerdem habe er damit gedroht, sie zur Strecke zu bringen („hunt them down“). Damit spielte der Pädagoge auf eine Rede des damaligen US-Präsidenten George W. Bush an, der 2001 mit diesen Worten in Fort Campbell drohte, Bin Laden und Saddam Hussein ausfindig zu machen und zu töten.
Im vergangen Jahr gab der Musiklehrer dann laut „The Mirror“ den Lehrberuf auf und widmete sich anderen Tätigkeiten. Jetzt will er allerdings zurück in seinen alten Beruf: „Ich hatte schon immer eine Leidenschaft fürs Lehren. Ich habe versucht, mit anderen Dingen mein Geld zu verdienen, aber es gibt nichts Vergleichbares wie den Lehrberuf“, so seine Begründung laut der britischen Tageszeitung.
Lesen Sie auch: Völlig unerwartet: Frau bringt Baby zur Welt
Am 1. August musste der Pädagoge laut „Huffington Post“ nun vor der GTCS-Behörde erscheinen. Bei der Anhörung gestand der 42-Jährige die Lügen, die ihm vorgeworfen werden. Seine Taten seien beschämend und täten ihm leid. „Ich kann keine vernünftige Erklärung für mein Handeln geben“, sagte er laut „Daily Telegraph“.
Der Ausschuss, der über die Zukunft des Mannes entschied, war von seiner Eignung für den Lehrberuf offenbar nicht ganz überzeugt. Sein Verhalten bleibe „hinter den Maßstäben, die man von einem staatlich geprüften Lehrer erwarte“, zurück, hieß es laut „Huffington Post“ bei der Anhörung.
Der Mann erhielt eine Rüge, die für die nächsten 12 Monate in einem von der GTCS-Behörde erstellten Lehrer-Verzeichnis eingetragen bleibe, heißt es. Die GTCS-Behörde wacht unter anderem über die Qualität des Schulunterrichts und unterhält ein Register über Lehrer in Schottland. Damit dürfte es dem Musiklehrer wohl schwer fallen, eine neue Anstellung zu finden.
Sehen Sie auch: Was unsere Haare über uns verraten


