Darmstadt/Berlin (dapd). Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe hat den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung erhalten. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als bedeutendste Auszeichnung für Literatur in Deutschland. Der im In- und Ausland hochangesehene Preis sei eine Würdigung ihres außergewöhnlichen literarischen Werks, betonte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Dienstag in Berlin. "Er möge ihr weiteres Schaffen beflügeln."
Die Auszeichnung sei wegen ihrer Tradition die "wichtigste und begehrenswerteste, die man als deutscher Schriftsteller bekommen kann", sagte Hoppe im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Sie fühle sich sehr geehrt. Andere Preise seien an Regionen, Themen oder einzelne Bücher gebunden, der Büchner-Preis aber werde für ein Gesamtwerk vergeben. Ihn zu erhalten, sei eine Belohnung, aber auch eine gewisse Last und Verpflichtung, betonte die 51-Jährige. "Ich hätte auch ohne ihn weitergeschrieben, aber jetzt mache ich es doppelt so gern."
Die in Hameln an der Weser geborene Hoppe habe seit 1996 in Romanen, Erzählungen und Essays "die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und Taugenichtse erkundet", begründete die Jury in Darmstadt. "In einer lakonischen und lyrischen, eigensinnigen und uneitlen Prosa hat sie ein erzählerisches Universum erfunden, in dem Grundfragen eines 'postmodernen' Daseins mit freier und befreiender Fantasie durchgespielt werden", schrieb die Akademie weiter.
Beispielhaft nannte die Jury einige Werke: das Reisebuch "Pigafetta" von 1999, das Kinderbuch mit der Neuerzählung des Ritterromans "Iwein Löwenritter" von 2008 und die erst im März erschienene fiktive Biografie "Hoppe". Diese Bücher unterliefen "virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel".
Nach Weltreise auf Frachtschiff der erste Roman
Die Büchner-Preisträgerin hatte in den 1980er Jahren an den Universitäten Hildesheim, Tübingen, Eugene im US-Bundesstaat Oregon sowie in Berlin und Rom Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch studiert. Danach war Hoppe als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache unter anderem am Goethe-Institut tätig. Zudem schrieb sie für verschiedene Feuilletons. Seit 1996 lebt Hoppe als freie Schriftstellerin in Berlin. Im selben Jahr erschien ihr erstes Werk, der Kurzgeschichtenband "Picknick der Friseure". Nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff folgte 1999 der Roman "Pigafetta".
Insgesamt hat Hoppe den Angaben zufolge bisher fünf Romane, Essays und mehrere Erzählbände vorgelegt. Zu den bisherigen Auszeichnungen der Schriftstellerin gehören der aspekte-Literaturpreis 1996, der Heimito-von-Doderer-Preis 2004 und der Rattenfänger-Literaturpreis ihrer Heimatstadt Hameln. Seit 2007 ist sie auch Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die den Preis im Herbst in einem Festakt in Darmstadt verleihen will.
Zu den bisherigen Trägern des nach dem revolutionären Dramatiker benannten Georg-Büchner-Preises gehören seit 1951 unter anderem Erich Kästner, Max Frisch, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Heinrich Böll, Christa Wolf, Martin Walser, Friedrich Dürrenmatt und im vergangenen Jahr F. C. Delius.
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