Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, hat sich gegen die Forderung gewandt, auf den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast komplett zu verzichten. "Wenn unsere Tiere erkranken, müssen wir gemeinsam mit dem Tierarzt handeln können", erklärte Sonnleitner vor Beginn der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin. Zwar sollten Eingriffe am Tier nach Möglichkeit ganz unterbleiben, das gehe aber nicht von heute auf morgen.
Verbraucherschützer fordern eine Tierzucht ohne den Einsatz von Antibiotika. In einer Untersuchung des BUND waren antibiotikaresistente Keime in Hähnchenfleisch aus Supermärkten und Discountern nachgewiesen worden. Solche Keime könnten bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schweren und sogar lebensgefährlichen Erkrankungen führen - wegen der Resistenz der Erreger aber nicht mehr wirkungsvoll mit Antibiotika bekämpft werden.
Sonnleitner erklärte, die Landwirte hätten selbst "das allergrößte Interesse daran, Resistenzen bei Keimen zu verhindern - schon allein deshalb, weil nur wenige Antibiotika für unsere Tiere zugelassen sind". Der Bauernverbandspräsident sicherte Bund und Ländern "volle Unterstützung" beim Aufbau eines Kontrollsystems zu.
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nahm die Bauern gegen Kritik in Schutz: Sie versorgten Tag für Tag 82 Millionen Verbraucher mit hochwertigen Lebensmitteln, sagte sie den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Allein deshalb müssten sie Masse produzieren - "aber auch Klasse". Die Lebensmittel in Deutschland seien sehr sicher, sagte Aigner dem Blatt. "Aber hundert Prozent Sicherheit kann - genau wie im Straßenverkehr - niemand garantieren."


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