Die klirrende Kälte in Europa dauert an. Während in Deutschland und Polen in der Nacht zu Montag die Temperatur auf neue Tiefstwerte sank, wurden allein aus Polen neun weitere Kältetote gemeldet. Insgesamt starben seit Beginn der Kältewelle vor elf Tagen in Europa weit mehr als 360 Menschen.
Nach Angaben der polnischen Polizei erfroren seit Sonntag neun Menschen, zumeist betrunkene Obdachlose. Damit erhöhte sich die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Frostwelle am 27. Januar auf 62. Im Nordosten des Landes sanken die Temperaturen auf minus 24 Grad Celsius. Wegen des unsachgemäßen Einsatzes von Öfen kam es vermehrt zu Bränden und Vergiftungen mit Kohlenmonoxid. Von Freitag bis Sonntag wurden landesweit 1543 Brände mit 15 Toten gemeldet.
In der Ukraine erhöhte sich die Zahl der Kältetoten auf 135. Nach Behördenangaben waren auch hier die meisten der Opfer betrunken. In Litauen starben nach Angaben der Behörden am Wochenende elf Menschen, insgesamt meldete das Land 23 Kältetote. In Tschechien stieg die Opferzahl ebenfalls auf 23. In Kvilda nahe der deutschen Grenze sank die Temperatur auf minus 39,4 Grad.
In der Nacht zum Montag registrierte der Deutsche Wetterdienst in Ueckermünde im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns mit minus 28,7 Grad einen neuen Kälterekord in diesem Winter. Die Messstation in Oberstdorf im Oberallgäu meldete einen Minuswert von 28,1 Grad, und in Karlshagen auf Usedom wurden minus 24,8 Grad gemessen. Auch am südöstlichen Stadtrand von Berlin rutschte die Quecksilbersäule auf minus 23,6 Grad.
Auch im Mittelmeerraum wurden ungewöhnliche Kältewerte registriert. Im Nordosten Tunesiens sank die Temperatur auf minus vier Grad, während mehrere Dörfer nach Schneefällen abgeschnitten waren. Im Süden Italiens fiel in bergigen Gebieten stellenweise Schnee. Die Zahl der Kältetoten in Italien erhöhte sich auf 20. Landesweit waren 42.000 Haushalte weiterhin ohne Strom.
Nach Angaben der ungarischen Behörden starben in den vergangenen drei Tagen zwölf Menschen wegen der Kälte. Auch aus Kroatien und Serbien wurden zwei weitere Tote gemeldet, so dass sich auf dem Balkan die Opferzahl auf 18 erhöhte. Mehr als 70.000 Menschen waren wegen des Schnees weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten.
In Bulgarien ertranken zwei Männer, als ihr Auto von einer zerstörten Brücke stürzte. Im Südosten des Landes ertranken nach Behördenangaben zudem drei ältere Männer in ihren Häusern, als das Dorf Biser nach einem Dammbruch überflutet wurde. Der Wetterdienst sagte für die kommenden Tage weitere Schneestürme voraus.
Im Osten der Türkei harrten nach dem verheerenden Erdbeben im Oktober trotz Temperaturen bis zu minus 16 Grad rund 7500 Menschen noch immer in Zelten aus. Der Gouverneur von Van, Münir Karaoglu, erklärte, bisher seien 28.500 Container aufgestellt worden.
Die Dauerkälte in Deutschland macht indes auch der Binnenschifffahrt immer mehr zu schaffen. Wie ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Dresden sagte, wird jetzt auch der Verkehr auf der Elbe auf einer Länge von rund 290 Kilometern von der tschechischen Grenze bis zur Saalemündung wegen Treibeises gesperrt.
Zwischen der Saalemündung und Magdeburg sowie weiter Richtung Norden ist die Elbe für Schiffe demnach bereits dicht, ebenso auf tschechischer Seite. Eisbrecher werden laut Schifffahrtsamt auf der Elbe nicht eingesetzt.
Am Montagabend sollte auch der Mittellandkanal zwischen Sülfeld bei Wolfsburg und Rothensee bei Magdeburg gesperrt werden. Zuvor war ein vorerst letzter Schiffskonvoi mit Unterstützung von zwei Eisbrechern Richtung Westen gestartet.
Auch andere Flüsse und Kanäle in Deutschland sind teilweise unpassierbar. Seit Montagmorgen ist die Saale von der Elbmündung bei Barby in Sachsen-Anhalt über eine Strecke von 124 Kilometern für Schiffe gesperrt. Auch auf der Donau ist seit Sonntag kein durchgehender Schiffsverkehr mehr möglich, nachdem Schleusen wegen des Eises außer Betrieb genommen wurden.


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