WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Nach Stracke-Abgang wächst Angst vor Kahlschlag bei Opel

    Bisheriger Chef musste wegen schlechter Zahlen gehen

    Der bisherige Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hat seinen Posten einem Bericht zufolge wegen schlechter Verkaufszahlen räumen müssen. Das Management der Konzern-Mutter General Motors (GM) habe nicht mehr daran geglaubt, mit Stracke die Wende bei Opel zu schaffen, berichtet die "Bild" unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person. Arbeitnehmer pochen nun auf gegebene Zusagen zum Arbeitsplatzerhalt.

    Opel kommentierte die Gerüchte um Strackes Abgang nicht. "Dazu sagen wir nichts", sagte ein Konzernsprecher. Fest steht aber, dass die Neuzulassungen von Opel in Deutschland im ersten Halbjahr 2012 laut Kraftfahrt-Bundesamt tatsächlich um 9,3 Prozent zurückgegangen waren. Laut "Bild" brach der Absatz insgesamt um acht Prozent ein, bedingt unter anderem durch die Krise in Südeuropa. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet nun mit harten Einschnitten: "Jetzt kommt die knallharte Sanierung. Mitarbeiter werden rausgeschmissen, Werke geschlossen", sagte er der "Bild".

    "Es geht um nicht weniger als die Zukunft von Opel insgesamt", mahnte auch IG-Metall-Chef Berthold Huber. "Entschlossen und zielstrebig" müsse GM nun an der Zukunft von Opel arbeiten und die notwendigen Schritte einleiten, forderte er. Für die Arbeitnehmerseite sei dabei nur ein Zukunftskonzept tragfähig, "das keine Schließung von Standorten vorsieht und die Belegschaften mit ihrer Kompetenz beteiligt".

    Der Betriebsrat-Chef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, pochte darauf, an bereits gegebenen Standortgarantien festzuhalten. "Zusagen müssen eingehalten werden, egal wer in der Verantwortung steht", sagte Einenkel im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Erst Ende Juni hatte Opel dem Bochumer Werk ein Fortbestehen bis zum Auslaufen der aktuellen Zafira-Reihe zugesagt und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 ausgeschlossen.

    "Wir haben mit Stracke versucht, an Lösungen zu arbeiten, ohne dass es Werksschließungen gibt. Ich hoffe, dass GM auch an den Beschlüssen festhält", sagte Einenkel. Stracke sei letztlich "nur eine Person". Die Vereinbarung, die unter anderem die nähere Zukunft von Opel in Bochum regelt, habe die Arbeitnehmerseite aber "mit dem Gremium - dem Vorstand - und unter Genehmigung von GM ausgehandelt", betonte Einenkel.

    Auch in einem Schreiben an die Bochumer Beschäftigten mahnte der Betriebsrat dazu, dass Opel und GM Zusagen einzuhalten hätten. "Eine erneute Diskussion über Werksschließungen würde Belegschaft und Autokunden weiter verunsichern und hätte nachweisbar einen nicht reparablen Imageschaden und weitere Marktverluste für die Marke Opel zur Folge", heißt es in dem Schreiben.

    Opel hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass Stracke den Posten als Opel-Chef und Präsident von GM Europa nach nur eineinviertel Jahren im Amt räumt. Strackes Aufgaben soll laut GM vorübergehend der Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky übernehmen. Die Suche nach einem Nachfolger hat Unternehmensangaben zufolge bereits begonnen.

    Medienberichten zufolge gibt es bereits Anwärter für das Amt. Mehrere Zeitungen nannten übereinstimmend Vorstandsmitglied Thomas Sedran als aussichtsreichen Kandidaten. Opel wollte das nicht kommentieren.

    Quizaction