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    Volkskrankheit Allergien – Acht wissenswerte Fakten

    Gehören Sie auch zu den armen Zeitgenossen, die das Taschentuch hervorholen müssen, sobald Frühlingstemperaturen die Pollen durch die Luft schicken? Etwa jeder dritte Deutsche leidet heute unter Allergien. Dennoch gibt es nach wie vor viele Irrtümer um die Volkskrankheit. Yahoo! Nachrichten hat acht interessante Fakten für sie zusammengestellt.Bildquelle: Fotolia

    1. Allergien werden vom eigenen Immunsystem hervorgerufen

    Schon bei der Übersetzung des Wortes Allergie (griechisch: „die Fremdreaktion") fällt auf, dass hier zwei Dinge aufeinandertreffen: Erstens etwas „Fremdartiges", also ein Eindringling von Außerhalb des Körpers, und zweitens eine dadurch hervorgerufene Reaktion des Immunsystems. Was bei dem Begriff Fremdreaktion jedoch nicht klar wird ist, dass bei einer Allergie das eigene Immunsystem verrückt spielt. Seine eigentliche Aufgabe ist es, schädliche Krankheitserreger wie Bakterien und Viren zu vernichten. Bei Allergikern stürzt es sich jedoch auf harmlose Fremdlinge (Allergene) wie Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen und sorgt so für lästige Niesanfälle und Augenjucken.

    Eine solche überschießende Reaktion kann sich interessanterweise aber erst dann ausprägen, wenn das Immunsystem zuvor mindestens einmal mit den Substanzen in Kontakt gekommen ist, die die Allergien auslösen. Bei dieser ersten Begegnung werden beispielsweise Pollen vom Abwehrsystem als „gefährlich" eingestuft und diese Information gespeichert. Beim nächsten Kontakt mit dem „Allergen" Pollen kommt es dann zu typischen Abwehrreaktionen — wie im Falle der Blütenstauballergie zu Heuschnupfen.

    2. Hygiene im Kindesalter hat Auswirkungen auf die Ausprägung von Allergien

    Lange wurde es vermutet und nun erstmals von seriöser Seite bestätigt: Die Hygiene-Hypothese, die besagt, dass übertrieben sterile Lebensbedingungen im Kindesalter die Entwicklung des Immunsystems stören und im späteren Leben  zu Asthma, Allergien und anderen Autoimmunerkrankungen führen, stimmt. Torsten Olszak und sein Team von der Harvard Medical School in Boston haben in Experimenten mit Mäusen gezeigt, dass unter sterilen Bedingungen aufgezogene Tiere viel häufiger zu immunbedingten Erkrankungen neigen als Tiere, die unter „normal schmutzigen" Rahmenbedingungen aufwuchsen.

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    Die Studie könnte eine Erklärung für die weltweite Zunahme der Allergien sein: Gerade Kinder aus städtischen Gebieten wachsen unter vergleichsweise "besseren" hygienischen Bedingungen auf und neigen Statistiken zufolge deutlich häufiger zu Allergien als Landkinder. Neben diesen Faktoren werden außerdem genetische Faktoren in der Ausprägung von Allergien diskutiert: Menschen, deren Eltern Allergiker sind, haben in vielen Fällen ebenfalls mit einem überempfindlichen Immunsystem zu kämpfen.

    3. Der Klimawandel wirkt sich auf die Entstehung von Allergien aus

    Fast jeder siebte Deutsche leidet am lästigen Heuschnupfen. Glaubt man einer Studie von Annette Menzel von der Technischen Universität München, dann ist neben den oben genannten Faktoren auch der Klimawandel daran Schuld. In groß angelegten Vergleichsstudien in ganz Europa fiel auf, dass in Städten die Menge an Pollen in den letzten Jahren um drei Prozent anstieg. Bisherige Erkenntnisse haben belegt, dass eine Erhöhung der Kohlenstoff-Dioxid Konzentration in der Luft die Pollenproduktion fördert. Außerdem wird der Blütenstaubflug durch die zunehmende Bebauung in den Städten verstärkt, da diese eine Temperaturerhöhung um bis zu drei Grad verursacht. Dies ist ebenfalls ein begünstigender Faktor für den Pollenflug und damit eine mögliche Erhöhung des Leidensdrucks vieler Allergiker.

    4. Im schlimmsten Fall können Allergien tödlich enden

    Es gibt jedoch auch schwerwiegendere Formen von Allergien: Der sogenannte anaphylaktische Schock ist in der Medizin die schwerste Form der Allergie und ein lebensbedrohlicher Notfall! Nach einer ersten Sensibilisierung und einem wiederholten Kontakt mit einem bestimmten Auslöser (z.B. Medikamente, Nahrungsmittel, Insektengift) kann es zu Atem- oder Herzstillstand sowie Kreislaufversagen kommen.

    0,8 Prozent der Bevölkerung leiden laut der Deutschen Ärztezeitung an Bienen- oder Wespengift-Anaphylaxie, zwei bis drei Prozent haben mit den gleichen Symptomen zu kämpfen, wenn sie bestimmte Lebensmittel essen. Wichtig ist hier, dass Patienten über ihr überschießendes Immunsystem Bescheid wissen und stets ein Notfallset mit Adrenalinspritzen und weiteren Medikamenten zur Hand haben, das im Ernstfall ihr Leben rettet.

    5. Sonnenallergien sind meist KEINE Allergien im typischen Sinn

    Unter dem Begriff „Sonnenallergie" fasst man spezifische Hautkrankheiten (Dermatosen) zusammen, die auftreten, wenn man oft UV-Strahlung ausgesetzt ist. Eine typische allergische Reaktion wie etwa gegen Blütenstaub gibt es hier aber nicht. Die Mallorca-Akne, die ebenfalls gerne als „Sonnenallergie" bezeichnet wird, ist eine Reaktion von UV-Licht mit dem körpereigenen Talg oder fettreichen Stoffen aus Sonnenschutzmitteln. Die daraus entstehenden kleinen Entzündungen führen dann zu den akneartigen Pickeln. Hier liegt also keine direkte Abwehrreaktion gegen Sonnenlicht vor.

    6. „Tierhaarallergien" richten sich NICHT gegen Tierhaare

    Irrtümer gibt es auch bei dem Begriff "Tierhaarallergien". Bei Menschen mit Allergien gegen Haus- oder andere Tiere kommt es nicht etwa primär wegen deren Haaren oder Federn zur allergischen Reaktion. Vielmehr sind es Hautschuppen, Urin, Speichel oder sogar Blutbestandteile der Tiere, die an ihrem Fell haften und bei Menschen eine Immunreaktion auslösen können. Beim Bürsten oder Streicheln werden diese kleinen Partikel aufgewirbelt oder inhaliert und gelangen so in die Atemwege oder auf die Haut der Allergiker. Dort führen sie dann zu den typischen Symptomen wie Niesen, Augentränen oder Juckreiz.

    Übrigens: Je kürzer das Fell, desto weniger Partikel können sich dort ansammeln und desto weniger Allergene gelangen in die Luft. Wer gänzlich sichergehen will, sollte sich demnach Fische oder Reptilien zulegen.

    7. Allergien kommen und gehen — auch im Erwachsenenalter

    Allergien sind kein statischer Befund, der mit dem Kindesalter besteht und für immer bleibt, sondern sie können sich im Laufe des Lebens wandeln. Ein Grund dafür ist, dass das Immunsystem die Auslöser der Allergie — die Allergene - schlichtweg „vergessen" kann und nicht mehr auf sie reagiert. Häufig sieht man dieses Phänomen bei Nahrungsmittelallergien: Eine Ei- oder Kuhmilchallergie im Kindesalter kann im Erwachsenenalter verschwinden. Doch auch der umgekehrte Fall ist möglich: Plötzlich reagiert man im Alter allergisch auf Dinge, mit denen man bis dahin nie Probleme hatte.

    Zudem gibt es es die Ausprägung von sogenannten „Kreuzallergien". So kann jemand, der primär gegen Hausstaubmilben allergisch ist, gleichzeitig auf Muscheln reagieren, obwohl grundsätzlich keine Allergie gegen Muscheln vorliegt. Grund dafür ist, dass sich die Allergene auf molekularer Basis stark ähneln und vom Immunsystem nicht unterschieden werden können. Beim Essen von Austern denkt das Abwehrsystem dann an Hausstaubmilben und reagiert.

    8. Die Psyche kann Allergien verschlimmern

    Die Psyche scheint wie so oft auch bei den Allergien ein Wörtchen mitzureden. Einer Studie von Wissenschaftlern der Ohio State Universität zufolge kann Stress allergische Symptome verstärken. So können Menschen mit Pollenallergie während des Pollenflugs stärker auf die Allergene reagieren, wenn sie zur gleichen Zeit Ärger im Privat- oder Berufsleben haben. Klinische Studien wie diese zeigen sogar, dass psychische Faktoren bei rund einem Drittel der Allergiker Beschwerden verstärken können.

    Auch bei Neurodermitis, Nesselsucht und allergischem Asthma weiß man inzwischen, dass psychische Prozesse auf den Verlauf und die Schwere der Krankheiten Auswirkungen haben.

    Autor: Felix Gussone

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