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    Zeckenstich: Kleines Tier, große Wirkung

    Bildquelle: FotoliaDie Zeckensaison hat begonnen - mit den warmen Temperaturen lauert das parasitäre Spinnentier Ixodes ricinus, besser bekannt unter dem Namen „Holzbock" oder „Zecke", wieder im Wald, Gebüsch und Gras auf ihre Opfer. Yahoo! Nachrichten bringt die wichtigsten Fakten über Zecken und assoziierte Krankheiten auf den Punkt.

    Die winzigen Spinnentiere halten sich bevorzugt in hohen Gräsern an Wald- und Wegrändern oder in Parkanlagen auf. Dort werden die Parasiten von vorbeigehenden Menschen und Tieren abgestreift und gelangen so auf ihren Wirt. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft also in den meisten Fällen nicht zu. Die Hauptaktivität der Zecken liegt in den wärmeren Monaten Mai, Juni und im September. Zu dieser „Zeckenzeit" erkennen die Minivampire ihre potenziellen Opfer und Blutspender an Körperwärme, Erschütterungen beim Gehen sowie an Duftstoffen.

    Bei uns Menschen bevorzugen sie warme und feuchte Hautstellen, an denen die Schutzbarriere besonders dünn ist: Kniekehlen sowie die Areale zwischen den Beinen und unter den Armen erfüllen diese Kriterien und werden deswegen oft von Zecken heimgesucht. Viele Zeckenstiche werden übrigens oft gar nicht oder nur durch Zufall entdeckt. Dies liegt daran, dass die Parasiten die Haut ihrer Wirte mit Substanzen aus ihrem Speichel betäuben, sodass Juckreiz oder Schmerzen unterdrückt werden.

    Zähe Zecken in der Waschmaschine

    Zecken fühlen sich zwischen 17 und 20 Grad Celsius am wohlsten und sind dann auch besonders aktiv. Doch Vorsicht! Die Spinnentiere scheinen resistenter zu sein, als wir denken. Mitarbeiter der Informationsplattform zecken.de haben die kleinen Spinnentiere im Zuge von Experimenten in die Waschmaschine gesteckt und sie dort bei unterschiedlichen Temperaturen gründlich durchgeschüttelt. Das Ergebnis: Einen Waschgang bei 40 Grad haben fast alle Zecken überlebt. Erst bei 60 Grad lag die Mortalität bei 100 Prozent. Ein Zeckenweibchen soll außerdem bei einem Unterwasser-Versuch 30 Tage überlebt haben.

    Zeckenstich: Von harmlos bis tödlich

    Zeckenstiche sind meistens harmlos und keine Seltenheit bei Menschen, die frische Luft dem heimischen Sofa vorziehen. Man sollte also nicht gleich in Panik ausbrechen, wenn man einen der kleinen Sauger am Körper detektiert. Dennoch gibt es zwei  Krankheiten, die von Zecken auf den Menschen übertragen werden und an die man nach einem Zeckenstich unbedingt denken sollte.

    FSME und Borreliose

    Die lebensgefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine schwere Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns, die durch Viren hervorgerufen wird, die über einen Zeckenstich in den Blutkreislauf gelangen. Erste Anzeichen der FSME zeigen sich im Durchschnitt eine bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich. Heftige Kopfschmerzen, Schwindel, schweres Krankheitsgefühl, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und vor allem die Nackensteife in Kombination mit hohem Fieber sollten IMMER an eine Entzündung der Hirnhäute denken lassen. Bei einem solchen Notfall muss sofort ärztlich gehandelt werden, da sonst das Leben des Betroffenen auf dem Spiel steht.

    Glücklicherweise ist die Erkrankung mit 1,3 Betroffenen pro 100.000 sehr selten. Dennoch gibt es eine wirksame  Schutz-Impfung für Menschen, die ein erhöhtes Risiko besitzen, zu erkranken - sei es, weil sie sich viel im Wald aufhalten oder weil sie in Hochrisikogebieten leben, in denen mehr Zecken als anderswo das Virus in sich tragen.

    Borreliose auch in Stadtparks

    Im Gegensatz zur viralen FSME ist die Borreliose eine durch Zecken übertragene bakterielle Infektion mit einem Erreger, der sich Borrelia Burgdorferi nennt. Die Krankheit betrifft Haut, Gelenke und das Nervensystem und ist weiter verbreitet, als die FSME. Nach den neusten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist in Deutschland nach einem Zeckenstich bei 1,5 bis sechs Prozent der Betroffenen mit einer Infektion und bei 0,3 bis 1,4 Prozent mit einer manifesten Erkrankung zu rechnen.

    Durchschnittlich 20 Prozent der Zecken in Deutschland sollen das Bakterium in sich tragen. Hochrisikogebiete für eine Borreliose sind noch immer Teile von Süddeutschland: In einer Studie vom Münchner Max-von-Pettenkofer-Institut für Mikrobiologie waren über 30 Prozent der Zecken, die im Englischen Garten und den Isar-Auen der Bayrischen Landeshauptstadt gefangen wurden, von Borrelien befallen und somit eine potentielle Gefahr für Freiluftfreunde.

    Gemeinsamkeiten mit Syphilis

    Das Bakterium Borrelia burdorferi, der Erreger der Borreliose, ist eng mit dem Syphiliserreger Treponema pallidum verwandt. Dies ist auch der Grund, warum im Krankheitsverlauf beider Krankheiten zahlreiche Parallelen existieren.

    Zunächst bildet sich an der Stelle des Zeckenstichs nach einigen Tagen bis zu etwa vier Wochen eine typische kreisrunde, scharf begrenzte Rötung aus, die sich langsam ausbreitet. Diese Wanderröte (Erythema migrans) ist ein deutlicher Hinweis auf eine Borreliose und sollte Anlass sein, zum Arzt zu gehen. Laut dem Robert-Koch-Institut tritt eine Wanderröte in 89 Prozent der Infektionsfälle auf.

    Rheumatische Krankheitsbilder durch Borellien

    Die Bakterien breiten sich im Organismus aus und können dort großen Schaden anrichten: Nach Befall des Nervensystem treten oft Schmerzen in einzelnen Nerven oder Lähmungserscheinungen auf und sogar das Herz kann durch Herzrhythmusstörungen in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Erkennt man eine Infektion nicht rechtzeitig, so wird sie nach einigen Jahren chronisch. Dann ist es möglich, dass rheumatische Beschwerden und Entzündungen an einzelnen großen Gelenken hinzukommen.

    Je früher, desto besser...

    Zeigen sich zu Beginn der Infektion die typischen Hautveränderungen um die Einstichstelle, kann mit ihnen relativ sicher die Diagnose gestellt werden. Bei Verdacht auf eine Borrelien-Infektion, bei der die Wanderröte aber bereits verschwunden ist, entnimmt der Arzt eine Blutprobe und testet sie im Labor auf Antikörper gegen den Erreger.

    Generell gilt: Je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko. Hausmittel wie Öl, Nagellack oder Klebstoff sind jedoch kontraproduktiv bei der Entfernung. Besser sind Zeckenzangen oder Pinzetten, mit denen man das Tier weit vorne am Kopf fassen und so herausziehen kann. So ist gewährleistet, dass der Kopf nicht steckenbleibt. Nach Entfernung sollte die Einstichstelle außerdem sofort desinfiziert werden.

    Je früher eine Borreliose behandelt wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten der Therapie. In jedem Stadium der Erkrankung können Antibiotika eingesetzt werden.

    Auch 5.300 Jahre nach Ötzi noch keine Impfung

    Gegen die Borreliose gibt es in Deutschland für Menschen trotz intensiver Forschung noch keine Impfung. In den USA war Ende der 90er Jahre zeitweise ein Impfstoff auf dem Markt, der aber kurze Zeit später vom Markt genommen wurde.

    Dass Menschen schon seit geraumer Zeit von Zecken geplagt werden zeigte uns zuletzt die gut konservierte Gletscher-Leiche Ötzi. Bei dem 5.300 Jahre alten Mann aus den Ötztaler Alpen in Südtirol machten Wissenschaftler bei Analysen zu Beginn diesen Jahres eine erstaunliche Entdeckung: In den Knochen von Ötzi fand man Überreste von dem Erreger der Lyme-Borreliose. Dies ist der älteste dokumentierte Borreliose-Fall in der Menschheitsgeschichte, und der erste Nachweis in einem nicht mehr lebenden Individuum überhaupt.

    Autor: Felix Gussone

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