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    Kanzlerdebatte nach NRW: Die Kraft und die Herrlichkeit

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    Gut drauf nach den NRW-Wahlen - Hannelore Kraft und die SPD-"Troika". (Bild:dpa)Nach der Landtagswahl in NRW hat Rot-Grün neues Selbstbewusstsein getankt. Norbert Röttgen ist abgeschlagen, Angela Merkel gilt als schwer beschädigt. Die Sozialdemokraten sollten sich jedoch nicht vorschnell freuen – die Kanzlerin ist nach wie vor stark, die Bundestagswahl entscheidet sich im kommenden Jahr. Mit der Wahl in NRW bietet sich den Rot-Grünen nun aber eine neue Geheimwaffe: Wahlsiegerin Hannelore Kraft. Bei der Kanzlerfrage winkt sie zwar ab - doch die Frage ist: Wie lange noch?


    Im politischen Late-Night-Talk war die NRW-Nachlese diesmal von erfrischender Offenheit – zumindest auf Seiten der Wahlsieger. „Warum sollte mich diese Frage stören“, dröhnte etwa SPD-Chef Sigmar Gabriel gutgelaunt bei  "Günther Jauch". Und das als Antwort auf die "K-Frage" - wer denn nun im kommenden Jahr für die SPD gegen Merkel antreten soll. Ob Kraft Kanzlerin könne, wollte der Moderator wissen. Eine Frage, bei der  Politiker normalerwiese umständlich herumlavieren. Gabriel aber antwortete: Natürlich empfehle sich Hannelore Kraft für die Position, schließlich habe sie mit NRW das wichtigste Bundesland gewonnen. Nur: Sie wolle leider nicht. Und damit erklärt sich auch schon die überraschende Offenheit des SPD-Chefs.

    Doch Gabriel täte besser daran, die Wahlsiegerin aus NRW als Kandidatin ernsthaft in Betracht zu ziehen. Von allen potenziellen SPD-Bewerbern hat sie vielleicht die größten Chancen, eine Wahl gegen die nach wie vor starke Kanzlerin zu gewinnen.

    Denn Rot-Grün sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass die Bundestagswahl nach dem Sieg in NRW ein Kinderspiel wird - auch wenn ihnen die aktuelle Lage durchaus Grund für Tripumpfgeheul bietet: Die Union ist stark angeschlagen. Mit erschütternden 26,3 Prozent fuhr Spitzenkandidat Röttgen eine historische Packung ein. Am Ende half ihm auch die Beliebtheit seiner Ziehmutter Angela Merkel nichts, der Versuch, die Wahl zur Abstimmung über ihren Euro-Sparkurs zu stilisieren, schlug fehl. Die Wähler entschieden auf Landesebene, und sie nahmen Röttgen seine Rosinenpickerei übel: Seine Haltung -  egal ob Düsseldorf oder Berlin, für mich nur das Beste - wurde massiv abgestraft. Sein Nimbus als Merkels „Kronprinz“ dürfte der Geschichte angehören, und es stellt sich die Frage, ob er nicht der nächste in der langen Reihe von Bundesministern im Kabinett der Kanzlerin wird, der zurücktreten muss.

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    Auch insgesamt lässt sich die Abwärtstendenz der Union nicht verleugnen. Im Superwahljahr 2011 konnte sie in sieben Wahlen lediglich in Rheinland Pfalz und Berlin leichte Gewinne verbuchen, im Saarland und in Schleswig-Holstein blieb sie etwa auf dem Niveau der Vorwahlen. Alles andere waren Niederlagen.

    Doch die Frage lautet: Zeichnen die Landtagswahlen das Ergebnis im Bund vor? Die Antwort lautet ganz klar: Nein, schon gar nicht in diesen Zeiten. Denn selten war die Diskrepanz so groß zwischen der Wahrnehmung der Kanzlerin und des übrigen Personals ihrer Partei. Während Merkels Minister und Landesfürsten sich zuletzt reihenweise blamieren, genießt die Kanzlerin für ihre Europapolitik weiterhin großen Respekt. Deshalb sollte sich Rot-Grün nicht vorschnell freuen. In den Umfragen im Bund sehen die Genossen bei weitem nicht so gut aus wie in Nordrhein-Westfalen. Und die "Herrlichkeit" der Troika Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier konnte bisher keine überzeugende Alternative zu Merkels Sparkurs liefern.

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    Wenn die Sozialdemokraten klug sind, werden sie deshalb Hannelore Kraft als Kanzlerkandidatin nominieren. Denn sie taugt in der Tat als sozialdemokratischer Gegenentwurf zu Merkel: Sie ist beliebt, weiß mit Macht umzugehen – wirkt aber herzlicher als die kalkulierende, stets unnahbare Merkel. Das soziale Gewissen? Kraft kaufen es die Menschen ab. Sparen ist ja schön und gut, aber erst kommen die Menschen, suggeriert sie -  und so scheinen die Wähler ihr auch die Schuldenberge in NRW nicht anzulasten. Vor allem aber hat Kaft, anders als die Herren Steinmeier, Steinbrück und Gabriel, bewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Dass sie heute noch sagt, sie wolle in ihrem Bundesland bleiben, ist kein Wunder  -  alles andere wäre auch mehr als ungeschickt, wie das Beispiel Röttgen gezeigt hat. Doch es darf vermutet werden, dass sich Kraft zu gegebener Zeit zu einer Kanzlerkandidatur  „überreden“ lassen würde.

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