Achtung, Spione am Himmel: Google und Apple filmen aus Flugzeugen. (Bild: thinkstock)
Wer künftig im heimischen Garten ein ausgedehntes Sonnenbad nimmt, wird dabei vielleicht ungewollt von Kameras beobachtet. Denn nach den Filmaufnahmen die Autos für 'Google Street View' machten, erreicht das Sammeln von Daten für Kartenmaterial gerade eine neue Dimension. Google und Apple schicken Flugzeuge los und die haben Kameras an Bord, die militärischen Standards entsprechen.
Spionage-Flugzeuge sind ohne weiteres in der Lage, detaillierte Aufnahmen von heimischen Gärten zu machen und kommen bei Google und Apple zum Einsatz. Die beiden Softwaregiganten liefern sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Produktion von Luftbild-Karten, die so detailliert sind, dass sie auch nur wenige Zentimeter große Objekte zeigen. Die verwendeten Kameras entsprechen Militärstandards, so dass damit aus großer Höhe ohne Probleme zum Beispiel der Titel des Buches lesbar ist, das Sie gerade in der Hand halten oder das Etikett der Wasserflasche, die neben Ihnen steht. Datenschützer sind hochalarmiert und warnen, dass diese Technologie ein weiterer Schritt in Richtung totaler Überwachung ist.
Google hat schon zugegeben, dass Flugzeuge über Städten eingesetzt werden, während Apple ein Unternehmen erworben hat, dass Spionage-Techniken an bereits an 20 Orten inklusive London getestet hat, berichtet das britische Magazin MailOnline.
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Apples Kameras sind so leitungsstark, dass es mit ihnen möglich ist, durch Oberlichter und Fenster in Wohnungen hinein zu sehen. Die Technik entspricht in etwa der, die auch militärische Geheimdienste bei der Identifizierung terroristischer Ziele in Afghanistan nutzen.
Google will die Luftaufnahmen verwenden, um damit 3D-Karten zu erstellen, die detaillierter sind, als die Satelliten-Bilder, die man derzeit bei Google Earth sieht.
Nick Pickles, Boss bei Big Brother Watch, warnte davor, die Privatsphäre für einen kommerziellen Wettstreit zu opfern.
"Die nächste Generation von Kartenmaterial bringt uns über die Gartenzäune", warnte er gegenüber MailOnline. "Es wird nicht mehr möglich sein, im eigenen Garten in der Sonne zu liegen, ohne sich zu sorgen, ob Apple oder Google über Ihnen gerade vom Flugzeug aus fleißig Bilder schießen." Er fordert, dass Hausbesitzer Ihre Zustimmung geben müssen, bevor die Bilder ihrer Häuser online gehen.
Die neue Karten App von Apple. (Bild: Apple)
Anfang dieser Woche stellte Apple auf der Keynote-Präsentation das neue, ab Herbst verfügbare Betriebssystem iOS 6 für mobile Endgeräte vor. Dabei wurde auch App Maps gezeigt, dass in Deutschland schlicht "Karten" heißt und als Navigationssystem genutzt werden soll. Damit besitzt der Konzern nun ein komplett eigenständiges Kartenwerk. Das liefert laut Apple dank der "unglaublichen Flyover-Funktion" nun auch "fotorealistische interaktive 3D Ansichten". "Wir können es kaum erwarten bis Hunderte von Millionen iOS-Nutzer die unglaublichen neuen Funktionen von iOS 6 ausprobieren, darunter die neue Karten App", sagte iOS-Apple-Chef Scott Forstall bei der Präsentation am Montag.
Google will bis Ende des Jahres 3D-Ansichten von Städten und Gemeinden anfertigen, die eine Gesamtbevölkerung von 300 Millionen Menschen haben. Bisher wurden jedoch noch keine Bilder gezeigt.
Derzeit aktuelles 3D-Kartenmaterial hat eine viel geringere Auflösung als das der kommenden Technologie. Benutzt man derzeit die Zoom-Funktion, verlieren die Bilder an Schärfe und Details sind nicht gut erkennbar.
Google geriet bereits in der Vergangenheit in Schwierigkeiten, als sich herausstellte, dass die Street-View-Autos nicht nur Panorama-Aufnahmen für Google Maps gemacht hatten, sondern persönliche Daten von Heimnetzwerken mit eingesammelt hatten. E-Mails, Textnachrichten, Fotos und Dokumente von Heimnetzwerken in ganz Großbritannien wurden gespeichert, berichtet DailyOnline.
Google behauptete es sei ein Fehler passiert, obwohl ein Teamchef bereits in 2007 davor warnte, dass auch andere Informationen mit eingesammelt werden könnten. Es ist davon auszugehen, dass etwa eins von vier Heimnetzwerken nicht ausreichend gesichert ist. Und es ist nur wenig darüber bekannt, wie genau die Technik an Bord der Flugzeuge aussieht, von denen aus die Luftaufnahmen gemacht werden.
Es wird angenommen, dass die Systeme in der Lage sind 64 Quadratkilometer pro Stunde zu fotografieren. Das würde darauf hindeuten, dass die Flugzeuge zu hoch und schnell fliegen, um auf Funknetzwerke zuzugreifen. Wie in Google Maps werden die Bilder nicht live auf Computer übertragen, gezeigt wird eine Momentaufnahme, die die Kamera beim Überfliegen gemacht hat.
Gesichter und Autokennzeichen macht Google zwar unkenntlich, geriet aber dennoch in die Kritik, da zum Beispiel ein Mann beim Verlassen eines Sexshops zu sehen war und ein anderer, der auf der Straße zusammengebrochen war.
Amie Stepanovich vom Electronic Privacy Information Center in Amerika, geht davon aus, dass Apple und Google gezwungen sein werden, Häuser ebenso unkenntlich zu machen, wie die Gesichter der Menschen in Street View.
Gegenüber MailOnline sagt sie: "Mit Satelliten-Bildern ist die Privatsphäre gegeben, da man nicht bis in den Garten zoomen kann. Hausbesitzer müssen gefragt werden, ob sie einverstanden sind, dass ihr persönliches Eigentum hochauflösend gezeigt wird — andernfalls muss es ausgeblendet werden."
Apple hat bisher Google für seine Kartendienste verwendet. Vergangenes Jahr wurde dann bekannt, dass Apple C3 Technologies aufgekauft hat, ein Unternehmen das 3D-Kartenmaterial mit einer Technologie erstellt, die von Saab AB entwickelt wurde, einem schwedischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzern.
Von den meisten großen Stadtzentren gibt es bereits 3D-Aufnahmen, aber die Bilder sind nur in geringer Auflösung verfügbar, so dass Nutzer zwar navigieren können, nicht aber nah heran zoomen, um Details zu erkennen. Kritiker haben bereits verlauten lassen, dass Apple und Google spätestens dann in Schwierigkeiten kommen, wenn sie 3D-Bilder von Wohngegenden am Stadtrand, in Vororten und ländlichen Gegenden veröffentlichen.


