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    Der Milliardendeal: Was will Facebook mit Instagram?

    Die Instagram-App verleiht Schnappschüssen einen Vintage-Look (Bild: dpa)Die Instagram-App verleiht Schnappschüssen einen Vintage-Look (Bild: dpa)Facebook hat die Fotosharing-App Instagram gekauft — für eine Milliarde Dollar. Aber was ist Instagram überhaupt? Welche Folgen müssen Instagram-Fans fürchten? Und: Wie kommt der Vintage-Look auch ganz ohne Facebook auf die Lieblingsbilder?

    Eigentlich ist es ein Widerspruch. Da werden die Kameras unserer Mobiltelefone immer besser, knipsen Bilder, die denen einer durchschnittlichen Kompakt-Digi in nichts mehr nachstehen. Und trotzdem ist die App der Stunde ausgerechnet eine, die diese Entwicklung zurücknimmt. Die Bilder macht, deren Optik an vergangene Zeiten erinnert, in denen Fotografie oft genug ein Glücksspiel war: Instagram heißt die App der Stunde, die jetzt für eine Milliarde Dollar von Facebook gekauft wurde.

    Das Prinzip ist denkbar einfach: Das Programm nimmt an alte Sofortkameras wie die Polaroid oder die Kodak Instamatic erinnernde Mittelformat-Bilder auf, die per Bildschirm-Touch mit einem neuen Look versehen werden. Je nach ausgewähltem Filter — sie tragen Namen wie „X-Pro II", „Lo Fi", „Earlybird" oder „Toaster" — überhöht Instagram den Kontrast, verändert die Blende, verwischt die Schärfe, gibt dem Bild eine Sepia-Tönung. Kurzum: Instagram verleiht Handyfotos einen Vintage-Look, der oft genug selbst aus mittelmäßigen Fotos stylische Schmuckstücke macht.

    Das Netzwerk hinter dem Vintage-Look

    Mindestens genauso wichtig ist jedoch, was man mit den Bildern machen kann: Was man mit Instagram knipst, landet zunächst in der App, die eben nicht nur eine technische Anwendung ist, sondern auch ein soziales Netzwerk. Anschließend lassen sich die Bilder völlig unkompliziert bei anderen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Flickr oder Pinterest teilen.

    30 Millionen Mal wurde die kostenlose Anwendung bei Apple seit ihrem Launch im Oktober 2010 geladen. Alleine bei Flickr sind zehn Millionen Bilder mit dem Schlagwort „Instagram" „getaggt", also gekennzeichnet. Und es dürften sehr schnell sehr viele mehr werden. Denn neben dem Kauf durch Facebook verliehen dem Dienst in den letzten Wochen zwei weitere Nachrichten einen Bedeutungsschub. Zunächst kann man die mit der beliebten Iphone-App Hipstamatic (quasi einer Art Instagram ohne soziales Netzwerk, aber mit mehr technischen Möglichkeiten) gemachten Bilder nun mit einem einzigen Knopfdruck bei Instagram hochladen. Zum anderen wurde auch eine Instagram-Version für Android-Smartphones veröffentlicht. Innerhalb der ersten Stunde wurde diese schon eine Million Mal heruntergeladen.

    Geotagging bereitet Datenschützern Sorgen

    Eine Milliarde Dollar zahlte Facebook jetzt für den Dienst, machte die Erfinder, aber auch die nur 13 Mitarbeiter über Nacht zu Millionären. Selbst für Mark Zuckerberg ist das eine recht deftige Investition. Aber merkt der Endverbraucher überhaupt etwas von dem Monsterdeal? Kurzfristig wohl nicht. Man wolle, so heißt es aus dem Hauptquartier des sozialen Netzwerkes, Instagram als eigenständiges Angebot weiterlaufen lassen. „Millionen von Menschen überall auf dieser Welt lieben die App und die Marke dahinter. Unser Ziel ist es, sie noch weiter zu verbreiten", schrieb Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite.

    Mittelfristig könnte das durchaus anders sein. So ist zumindest die äußerst lebendige Instagram-Community sicher etwas, das man gerne unter dem Dach des Hauptnetzwerkes laufen lassen würde. Auch, dass die geknipsten Bilder irgendwann ausschließlich in einem Facebook-Ordner landen werden, ist nicht ausgeschlossen. Eine Horrorvision für User, die dem größten sozialen Netzwerk der Welt skeptisch gegenüber stehen und sich Sorgen um ihre Bildrechte und ihre Daten machen. Denn viele der Instagram-Bilder verfügen über einen Geotag. Der zeigt an, wo sie aufgenommen wurden — und macht den Nutzer noch transparenter. Anleitungen, wie man seine Bilder sichern und anschließend den Account löschen kann, machen bereits ihre Runde durchs Internet. Bei vielen Anhängern herrscht zudem die Befürchtung, die Lieblings-App würde ein ähnliches Schicksal erleiden wie Gowalla: Das ortsbezogene soziale Netzwerk wurde zunächst gekauft — und dann plattgemacht.

    Berechtigte Sorge oder reflexhafte Hysterie? Nun, verständlich ist die Aufregung schon, schließlich steht Facebook nicht gerade im Ruf, in den letzten Jahren besonders sensibel mit Kundeninformationen umgegangen zu sein. Andererseits dürfte sich nur ein Bruchteil der User, die jetzt schimpfen, jemals die Instagram-Geschäftsbedingungen durchgelesen haben: Da sind einige Passagen schon jetzt etwas irritierend. Denn schon vor der Facebookübernahme behielt man sich beim Bildernetz etwa eine Benutzung und eine Weitergabe aller Inhalte, also auch der Geodaten, vor.

    So holen Sie Ihre Bilder zurück

    Wer ganz sicher gehen will, kann seinen Account natürlich löschen. Die Bilder lassen sich recht einfach sichern — entweder händisch, indem man über einen Web-basierten Dienst wie web.stagram.com geht und sie sich dort herunterlädt. Oder mit instaport.me, wo man seinen ganzen Foto-Stream auf einmal zippen und herunterladen kann. Auch über socialfolders.me kann man sich unkompliziert ein Backup seines Instagram-Accounts einrichten. Anschließend lässt sich der Instagram-Account völlig unkompliziert in den eigenen Konto-Einstellungen stillegen.

    Denn Alternativen zu Instagram, die ohne eine Anbindung an ein soziales Netzwerk auskommen, gibt es durchaus. Wer nur den Look möchte, aber keine Connection zu Facebook, kann mit Hipstamatic arbeiten oder mit ähnlichen Apps wie Polarize. Auf Nummer sicher: einfach mal bei Ebay suchen. Analoge Sofortbild-Kameras von Polaroid oder Kleinbild-Knipsen von Holga oder Lomo sind angeblich dieser Tage der neue Trend. So schön und vor allem wirklich retro! Mit wem man die Bilder teilt, ist einem dann wirklich völlig selbst überlassen.