Einbrecher haben es dank sozialer Netzwerke heute leichter denn je (Bild: Fotolia).
Michael ist hier, Tina ist dort und Fabian ist irgendwo anders. Auf Facebook bekommt man freiwillig oder unfreiwillig regelmäßig die Aufenthaltsorte seiner Lieben mitgeteilt. Das kann interessant sein, oft ist es nervig, aber in den falschen Händen sogar richtig gefährlich. Wer auf Twitter, Four Square und Co. allen wissen lässt, dass er gerade seinen Urlaub antritt oder den Wochenendtrip, der mag in diesem Moment sonstwo sein - bloß nicht zu Hause. Das mag vermutlich, noch mehr als deine Freunde, deine Feinde interessieren.
Inzwischen haben auch Verbrecher die Vorzüge des Internets entdeckt und in ihre „Unternehmensstrategie" eingegliedert. In einer - nicht ganz repräsentativen - neuen Studie in Großbritannien wurden fünfzig ehemalige Einbrecher befragt. 78 Prozent glauben, dass ihre noch aktiven Kollegen sich die Statusmeldungen auf Social-Media-Plattformen zunutze machen, um ihre Einbrüche vorzubereiten. Dank Twitter und Four Square ist es ein Kinderspiel, Menschen zu lokalisieren, ohne auch nur annähernd in Kontakt mit ihnen zu stehen. Name eingeben, Enter-Taste drücken und los geht der der Raubzug! Knapp drei Viertel der Ex-Diebe glauben außerdem, dass Street-View eine Rolle spielt, um potentielles Diebesgut auszuspionieren.
Naivität im Netz
Es ist erstaunlich, wie fahrlässig und unüberlegt die Menschen zum Teil mit dieser Gefahr aus dem Netz umgehen. 40 Prozent der Nutzer sozialer Netzwerke teilen in Großbritannien online ihre Urlaubspläne mit ihren Bekannten. 13 Prozent der Facebook- und 92 Prozent der Twitter-Nutzer gehen bei der Auswahl ihrer Freunde und Follower zudem äußerst unkritisch vor. Sie akzeptieren Sie, ohne sie näher geprüft zu haben. Ja, im Internet ist manches anders, als im wahren Leben. Meint man.
Der Journalist und Satiriker Martin Sonneborn hat im letzten Jahr ein erheiterndes Experiment versucht. Bei genauerem Hinsehen ist es aber eher erschreckend. Für die „Heute Show" im ZDF hat er das Projekt „Google Home View" gestartet. Ausgestattet mit einem Fahrzeug mit Google-Aufkleber drang er bis in die deutschen Wohn- und Schlafzimmer vor und schoss Bilder vom Innenleben der Heime seiner ahnungs- und arglosen Opfer. Sein Ergebnis: Die Menschen sind reif für die konsequente Fortsetzung von Street-View. Bereitwillig stellten sie ihre privateste Privatsphäre zur Ansicht im Internet zur Verfügung, entschuldigten sich noch, dass sie nicht sauber gemacht hätten und beklagten noch während des Fotoshootings die vielen Einbrüche, die in ihrer Gegend passieren würden.
Bitte raubt mich aus!
Die Website „Pleaserobme.com" will auf ironische Weise auf die Gefahr hinweisen, die durch Social-Media-Mitteilungen à la „Ich habe gerade das Haus verlassen und bin auf dem Weg zum Flughafen nach Timbuktu" entsteht. In einem Video preist Macher Lauren Feldman die Seite als „die beste Social-Media-Seite, weil sie Twitter und Four Square kombiniert und die Einbrecher wissen lässt, wenn man nicht zu Hause ist. Eine großartige Verbindung aus dem Besten aus sozialen Netzwerken und der Möglichkeit, mit dem Internet Geld zu machen." Mit einer ernst gemeinten Seite könnte man so - rein theoretisch — eine lukrative Angebotsseite für Diebe machen, auf der zum Raubzug einladende Statusmeldungen auf sozialen Plattformen gesammelt würden.
Die Berufsverbrecher sind nämlich clever und auf der Höhe der Zeit, was man von der Polizei in Sachen Social Media leider größtenteils nicht behaupten kann. Bis auf wenige Ausnahmen in den Niederlanden und Großbritannien, überlegen, diskutieren und planen sie noch immer, wie man das Internet zum Verbrecherfang nutzen kann. Bis es tatsächlich zum Einsatz kommt, dürften wahrscheinlich noch viele Einbrüche begangen werden.
Shoppen mal anders
Mit dem neuen Google-Service „Business Photos" könnte der Einbruch 2.0 noch gewinnbringender werden. Google dringt gerade mit seinen Kameras in das Innere von Geschäften, Restaurants und Hotels vor. 360-Grad- Ansichten sollen möglichen Kunden einen Eindruck vom Sortiment und dem Flair der Läden geben. Google will mit dem Service „Business Photos" Werbeplätze auf Street-View verkaufen.
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Ladenbesitzer dürfen sich auf der Homepage des Datenriesen dafür bewerben, ihre Läden von allen Seiten im Internet ausspähen zu lassen - und dafür auch noch Geld zahlen. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis demnächst tatsächlich ein „Google Home View"-Wagen vor der Tür steht. Mit einer Gefolgschaft von Einbrechern im Schlepptau.
Von Kristina Machalke/ZEITjUNG
