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    Warum wir beim Spielen das Zeitgefühl verlieren

    Wer öfter spielt, kennt das nur zu gut: Man startet ein Game und nimmt sich vor, in keinem Fall länger als 15 Minuten zu spielen. Und aus dem gefühlten ‚Viertelstündchen' ist dann  - ruck, zuck! - eine halbe Stunde oder noch viel mehr geworden.


    Wie kommt das? Waren Sie versehentlich auf einer Zeitreise? Oder sind Sie einem spontanen Schlafanfall erlegen? Nein. Ihr Gehirn hat Ihnen ganz einfach einen Streich gespielt. Neue Forschungen gehen davon aus, dass es darauf ankommt, aus welcher „zeitlichen Perspektive" ein Vorgang betrachtet wird. Daraus ergibt sich dann unser Zeitgefühl.

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    Tschechische Wissenschaftler haben einen Versuch mit 154 Spielern gemacht, die Multiplayer-Onlinegames spielen. Die Forscher haben die gefühlten Zeitangaben der Spieler mit der tatsächlich im Spiel verbrachten Dauer verglichen. Sie fanden heraus, das Spielen eine Realitätsflucht ist, so unterhaltsam, dass es Menschen vom Alltagsstress ablenken kann. Und deshalb fliegt die Zeit geradezu vorbei, ohne dass wir es merken.

    Kurz zusammengefasst, beruht die Theorie der Forscher auf der sogenannten ‚Zeit-Perspektive', für die das menschliche Gehirn fünf Betrachtungsweisen zur Auswahl hat: Angenehme Erfahrungen in der Vergangenheit, negative Vergangenheits-Erfahrungen, gegenwärtige vergnügliche Stimulation (die sich auch beim Glücksspiel oder Drogenkonsum findet), gegenwärtige negative Stimulation (Frustration, Aggression, Verärgerung) sowie zukünftige Ereignisse.

    In ihrer Gesamtheit sind Spiele eine vergnügliche Erfahrung, aber sie beinhalten auch frustrierende und aggressive Momente (Puzzle müssen gelöst werden, die Spielfigur stirbt oft, es gibt epische Schlachten etc.). Deshalb kommt es dazu, dass wir das Spiel in schwierigeren Levels aus der „gegenwärtigen negativen Perspektive" betrachten und in einfacheren Spielstufen in die Perspektive der „zukünftigen Ereignisse" wechseln.

    Das Ergebnis: Wir verlieren das Zeitgefühl.

    Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die eigene „Zeit-Perspektive" sehr eng damit zusammenhängt, wie oft jemand spielt. „Wir gehen davon aus, dass bei Menschen, die übermäßig viel Zeit mit Spielen verbringen, die ‚gegenwärtige negative Perspektive' bereits sehr ausgeprägt ist", heißt es im Bericht der Wissenschaftler. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Menschen, die gegenwärtig negativ eingestellt sind, mehr spielen, denn das Spielen hilft, die eigenen negativen Gefühle zu reduzieren."

    Grundsätzlich ist Gaming aber nicht mit Glücksspiel oder Drogenmissbrauch gleich zu setzen - zumindest ergab das der eher klein angelegte Versuch. Menschen spielen nicht, um sich damit einen kurzzeitigen Rausch zu verschaffen. Vielmehr ist Spielen in etwa mit dem Lesen eines guten Buchs oder Schauen eines spannenden Films zu vergleichen - eben eine Form, sich abzulenken und in eine andere Welt zu versetzen, um den Alltagsstress abzubauen.