Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling und die Schauspielerin Sienna Miller haben vor einer zur Aufklärung der Abhör-Affäre um die britische Boulevardzeitung "News of the World" eingerichteten Untersuchungskommission ausgesagt. Dabei berichteten sie in London von Verletzungen ihrer Privatsphäre durch Boulevardmedien. Die britische Polizei nahm in dem Fall einen ersten mutmaßlichen Computer-Hacker fest.
Miller, Ex-Freundin von Hollywood-Star Jude Law, sagte, ein Detektiv habe ihr E-Mail-Postfach ausspioniert. Als sie Anfang des Jahres von "News of the World" Entschädigungszahlungen erhalten habe, habe sie Notizen des Detektivs Glenn Mulcaire gesehen. Ihre Telefonnummern, die sie in drei Monaten drei Mal gewechselt habe, samt PIN-Code sowie das Passwort ihres E-Mail-Postfaches seien aufgelistet gewesen; ebenso die Nummern von zehn ihrer Freunde.
"Jeder in meiner Nähe wurde überwacht und abgehört", sagte Miller vor dem von Richter Brian Leveson geleiteten Ausschuss. Sie sei damals "paranoid" geworden und habe fälschlicherweise Familie und Freunde beschuldigt, wenn Informationen über sie in der Presse erschienen.
J.K. Rowling berichtete vor dem Ausschuss, wie ein Journalist in der Schule einen an sie gerichteten Brief in den Schulranzen ihrer fünf Jahre alten Tochter schmuggelte. "Es ist sehr schwer zu sagen, wie wütend ich darüber war, dass die Schule meiner fünf Jahre alten Tochter nicht länger ein Ort vollkommener Sicherheit vor Journalisten war." Nach der Geburt ihrer beiden Kinder habe sie sich angesichts der vor ihrem Haus ausharrenden Journalisten regelrecht "belagert" gefühlt.
Ex-Motorsportboss Max Mosley sagte vor dem Ausschuss, die "News of the World" habe versucht ihn zu "zerstören", nachdem er gerichtlich gegen die Veröffentlichung eines Videos vorgegangen war, das ihn bei Sexspielen mit Prostituierten zeigte.
Die Londoner Untersuchungskommission soll zunächst Praktiken und ethische Standards der britischen Presse untersuchen und ist nicht identisch mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur "News of the World". Das sechsköpfige Gremium war von Premierminister David Cameron eingesetzt worden, nachdem im Juli bekannt geworden war, dass Journalisten der Boulevardzeitung jahrelang Handymailboxen von Prominenten und Angehörigen getöteter Soldaten sowie Kriminalitätsopfern abgehört hatten. Die in Teilen bereits früher bekannte Affäre führte zur Einstellung des Blatts sowie zum Rücktritt von Vertrauten des Medienmoguls Rupert Murdoch und ranghohen Polizisten sowie einem Mitarbeiter Camerons.
Wie Ermittler am Donnerstag mitteilten, wurde im Nordwesten Londons ein 52-jähriger mutmaßlicher Hacker gefasst. Ein Polizeisprecher sagte, es handele sich um die erste Festnahme im Zuge der Ermittlungen gegen Privatdetektive, die im Dienst der "News of the World" illegal Computer ausspioniert und Telefone abgehört haben sollen.


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