Bis 2007 war Carlo Menzinger, kongenial verkörpert vom Schauspieler und Musiker Michael Fitz, 17 Jahre lang der Dritte im Bunde der Münchner "Tatort"-Kommissare. Jetzt wird hinter den Kulissen emsig am Drehbuch für einen neuen ARD-Krimi geschrieben, in dem Menzinger wieder zu den alten Kollegen stößt. Bis es soweit ist, genießt Fitz, der eben erst mit "Wenn I schaug" eine neue Doppel-CD herausgebracht hat, das Versteckspiel. Im Interview kann der 53-Jährige das Gerücht, dass er vielleicht doch der Krimiautor ist, der unter dem Pseudonym "Max Bronski" schreibt, nicht vollständig entkräften. Eindeutig ist dagegen die Rolle die Fitz in der ARD-Verwechslungskomödie "Doppelgängerin" spielt. Jutta Speidel ist darin am Freitag, 16. März, um 20.15 Uhr, in einer Doppelrolle sowohl als resolute Handwerkerin als auch als Investorin zu sehen. Fitz jedoch ist im Film ganz bei sich selbst - als bodenständiger Münchner.
teleschau: Herr Fitz, wenn Sie mal von Kollege zu Kollege auf die beiden Jutta Speidels blicken: Hat Ihnen die bodenständige Emma oder die arrogante Hedwig mehr imponiert?
Michael Fitz: Eigentlich die Jutta. Weil sie das mit so einer Kraft und Disziplin durchgezogen hat. Es ist schwer, zwei Rollen, die ja keine Karikaturen sein sollen, parallel so anzulegen. Das ist schon bewundernswert.
teleschau: Trotz allem Komödiantischen ist die "Doppelgängerin" ein Film mit einem ernsten Thema - etwa der Verschlimmschönerung der Innenstädte durch Investoren. Erkennen Sie eigentlich Ihre Heimatstadt noch wieder, wenn Sie durch München spazieren?
Michael Fitz: Ich frage mich manchmal schon, wo ich jetzt genau bin. Allerdings zog ich zu einer Zeit raus aufs Land, als Haidhausen gerade als In-Viertel entdeckt wurde. Wer entsprechend verdiente, konnte sich dort teure Eigentumswohnungen kaufen und vertrieb so die Alteingesessenen. Danach prügelten sich die Investoren ums Glockenbachviertel - und sind schon längst wieder woanders angekommen. Irgendwann wird es mit der Schönheit vorbei sein. Dann sind auch die letzten Ecken Münchens mit historischem Flair verschlimmschönert.
teleschau: Sie scheinen die Distanz zur Großstadt zu genießen. Auf Partys oder Schauspielerempfängen machen Sie sich rar.
Michael Fitz: Ich muss das nicht machen. Schon seit längerem gehe ich nur noch einmal im Jahr auf die Buchpreisverleihung Corine. Das ist so schön branchenfremd. Und trotzdem sieht man dort viele interessante Leute - eben aus ganz anderen Berufen. Das finde ich sehr erfrischend, mir so einen Auftrieb von außen anzusehen. Wahrscheinlich ist es für mich genauso interessant, wie wenn sich ein Buchhändler erstmalig auf eine Filmpreisgala einlässt. Die finde ich langweilig, weil ich ja eh alle Kollegen dort kenne - und weiß, wie die Abende ablaufen.
teleschau: Gentrifizierung der Innenstädte, Eitelkeiten der Bussi-Bussi-Gesellschaft: Sind das nicht eigentlich auch schöne Themen für den erfolgreichen, aber etwas Geheimnis-umwitterten Krimiautor Max Bronski, aus dessen Romanen wie "München Blues" Sie häufig auf Lesungen vortragen?
Michael Fitz: Das wären bestimmt super Themen. Wenn er denn nach den vier Romanen noch einen schreiben würde. Aber ich glaube, Bronski ist da ein wenig eigen. Er hat ja ganz gezielt bestimmte Themenblöcke abgefrühstückt. Und daher glaube ich auch, dass es bei den bisherigen Büchern bleibt. Ich habe das Gefühl, da kommt jetzt nichts mehr nach.
teleschau: Wie tauschen Sie sich eigentlich mit ihm aus? Immerhin gilt Bronski als Phantom der Buchbranche. Wer er wirklich ist würden viele Fans sicher gerne wissen.
Michael Fitz: Der Kontakt läuft allein über den Verlag. Ich habe selbst überhaupt keinen Kontakt mit ihm. Wenn von ihm etwas Neues kommt, dann erfahre ich das natürlich als einer der Ersten. Dann bekomme einen Vorabdruck des Buchs vom Verlag. Und mir wird eine Lesung eingestrichen - vom Autor selbst.
teleschau: Das heißt, Bronski gibt Ihnen auch vor, welche Seiten Sie lesen müssen?
Michael Fitz: Er schreibt das minutiös vor. Wenn mir bestimmte Passagen zu lang oder andere interessanter sind, kann ich das dem Verlag aber mitteilen.
teleschau: Gelegentlich war zu lesen, dass Max Bronski Ihr eigenes Pseudonym sei.
Michael Fitz: Ich wäre schon eitel genug, meinen eigenen Namen auf die Bücher zu schreiben. Ich hätte auch gar keinen Grund dazu, das nicht zu tun. Wenn man es sich genau überlegt, dann muss Max Bronski ein Mensch sein, der wirklich ein Motiv dafür hat, anonym bleiben zu wollen. Ich weiß bis heute nicht, wer es ist. Dabei habe ich zwar meine Vermutungen, doch die behalte ich tunlich für mich. Ich bin's jedenfalls nicht.
teleschau: Auch kein Wesensverwandter?
Michael Fitz: Er ist 1963 geboren, ich 1958. Damit bin ich also fünf Jahre älter und habe ganz sicher nicht Theologie studiert. Außerdem war ich nie lange im Schlachthofviertel ansässig und kenne mich dort auch nicht so gut aus wie Bronski.
teleschau: Was auf Klappentexten steht, ist allerdings nicht selten abenteuerlich.
Michael Fitz: Es kann natürlich auch eine Mär sein, die man in die Welt gesetzt hat - um die Leser in eine völlig falsche Richtung zu schicken.
teleschau: Unverstellt wirken Sie in Ihr Musik. Doch das Singen auf Bayrisch haben Sie ja erst nach und nach entdeckt ...
Michael Fitz: Ich hatte mich 2001 ziemlich übernommen. Damals hatte ich parallel zu meiner Rolle in der Serie "Die Boegers", in der ich einen Musiker spielte, eine ziemlich erfolgreiche Platte herausgebracht und dabei die Hoffnung gehabt, meine beiden Leidenschaften gut unter einen Hut zu kriegen. Doch ich hatte mir einfach zu viel aufgehalst. Weil ich die Platte selbst vermarkte, das Wirtschaftliche selbst auf die Beine gestellt hatte und mit einem Drei-Mann-Team die Label-Arbeit zwei Jahre lang durchzog. Nebenbei schrieb ich natürlich noch die Filmmusik und den Titelsong für die Serie. Im Herbst 2001 stand ich eines Abends wieder einmal auf der Bühne - und fragte mich ernsthaft, was ich da eigentlich mache. Und warum mir das alles über den Kopf wächst.
teleschau: Sie wollten kein Musik-Manager werden?
Michael Fitz: Ich habe immer die Tendenz, überall die Finger drauf haben zu wollen und alles selbst zu machen. Aber an diesem Punkt spürte ich, dass ich auf sicherstem Weg zu einem Herzinfarkt war. Also legte ich für vier Jahre eine Pause ein. Und nutzte die, um viel Musik zu hören, die mich wirklich berührte. Schnell habe ich versucht, diese Songs, die mir ans Innerste gingen, ins Deutsche zu übersetzen. Aber das hat nie so recht funktioniert. Deswegen probierte ich es eines Tages mit Bayrisch - und das klappte super.
teleschau: In Ihrem neuen Album kommt neben den Texten zudem das Musikalische wieder stärker zu Geltung.
Michael Fitz: Das ist ein Doppelalbum, ein echter Riesen-Brocken geworden, in dem viel Herzblut und lange Arbeit steckt. Ich wollte wieder mehr Instrumente zur Geltung kommen lassen und habe das erste Mal seit bestimmt 15 Jahren wieder mir einem Produzenten gearbeitet - und das mit großer beidseitiger Begeisterung.
teleschau: Mit Ihren Auftritten im Kreis der ehemaligen "Tatort"-Kollegen haben Sie vor Weihnachten mal wieder die Münchner Muffathalle gerockt. Machen Ihnen diese Konzerte eigentlich noch Spaß oder ist das eine etwas lästige Traditionspflicht?
Michael Fitz: So wie wir es jetzt machen, gefällt's mir bestens. Vor 2008 war es immer viel länger - manchmal über vier Stunden. Erst spielte ich für eine Dreiviertelstunde. Dann kam eine Pause - und Miro (Nemec, d. Red.) spielte seinen Part. Dann wieder Pause, danach kam der Udo (Wachtveitl, d. Red.). Erst nach fast drei Stunden standen endlich die drei Kommissare gemeinsam auf der Bühne. Für die neue Show hatte ich eine Revue konzipiert - mit schnelle Wechseln von einer Band zur anderen und für viele spontane Mischbesetzungen. Das neue Konzept kam bei den Leuten super an. Und deswegen hat's auch riesigen Spaß gemacht.
teleschau: Ein Höhepunkt auf dem ausverkauften Abend war ja die Ankündigung Ihres "Tatort"-Comebacks. Wie darf man sich das denn genau vorstellen?
Michael Fitz: (lacht) Ich glaube, der Udo war ein wenig vorschnell, das vollmundig vor Publikum hinauszuposaunen. Es gibt die Idee, dass der Menzinger für eine Ermittlung, die ihn auch persönlich etwas angeht, aus Asien zurückkehrt.
teleschau: In der Fiktion war er in der Zwischenzeit durchgängig in Thailand?
Michael Fitz: Dort hat er gesteckt, ja. Und was auch immer ihm dort passiert ist, es treibt ihn wieder nach München. Das wird die Geschichte erzählen.
teleschau: Gedreht wird in diesem Sommer?
Michael Fitz: Ehrlich gesagt, ich weiß noch gar nicht, wann wir damit anfangen werden. Vielleicht weiß der Udo das besser.
teleschau: Sind Sie denn so erschrocken? Das muss doch etwas Schönes sein, wenn Ihre Fans jubeln?
Michael Fitz: Die Reaktionen waren natürlich großartig. Ich bin ja viel unterwegs und komme mit so manchem ins Gespräch. Dauerthema ist: Viele Leute bedauern, dass Carlo Menzinger nicht mehr beim Münchner "Tatort" dabei ist. Ich habe schon das Gefühl, dass seine Rückkehr ein Ereignis für die Zuschauer wäre. Und das würde vermutlich auch an der Quote nicht spurlos vorübergehen.
teleschau: Man müsste Sie aber nicht zu der Rolle zwingen?
Michael Fitz: Ich sehe das ganz gelassen - wie bei allen meinen Projekten. Immer wenn ich ein Rollenangebot bekomme, lese ich mir das Drehbuch genau durch. Und dann entscheide ich, ob ich zusage. Aber mit den Leuten, die diesen neuen "Tatort" mit Carlo produzieren wollen, stehe ich schon lange in Kontakt. Deswegen habe ich ein gutes Gefühl. Ich weiß, dass ein Projekt in Arbeit ist und werde auch regelmäßig über die Zwischenschritte informiert.
teleschau: Wie wäre es denn, einmal selbst an einem Drehbuch mitzuschreiben?
Michael Fitz: Ich weiß nicht, ob ich das Sitzfleisch für das Schreiben habe. Diesen Job muss man mögen. Ich finde auch nicht, dass jeder Schauspieler, der einmal in Richtung Mitte 50 geht, seine Memoiren schreiben muss. Das ist doch unnötig.
teleschau: Auf Ihre Memoiren wären sicher viele Fans gespannt ...
Michael Fitz: Da könnte auch wirklich mal was drinstehen. Ich würde sie aber nicht in der herkömmlichen Form schreiben, sondern einen fiktiven Roman daraus machen.
teleschau: Das Spielen mit den Rollen, auch den literarischen, gefällt Ihnen also doch.
Michael Fitz: Sicherlich. Sich zu verkleiden, ist etwas sehr Reizvolles und Essenzielles für einen Schauspieler. Ich würde gerne Teile von den Dingen, die ich selber erlebt habe, einer fremden Figur schenken und auch ein Stück weit diese Figur sein.


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