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    Chinesische Behörden wollen Chen Pass für Ausreise ausstellen

    Blinder Bürgerrechtler erwartet Dokument innerhalb von 15 Tagen

    Die diplomatische Krise zwischen Washington und Peking um den blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng steht offenbar vor einer Lösung. Wie Chen am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP sagte, hätten die Behörden eingewilligt, ihm binnen 15 Tagen einen Reisepass auszustellen. Er habe am Vortag gemeinsam mit den zuständigen Beamten Passanträge zur Ausreise in die USA für sich, seine Frau und seine beiden kleinen Kinder ausgefüllt.

    Der Bürgerrechtler hatte durch seinen Einsatz für die Opfer von Zwangssterilisierungen und Landenteignungen den Zorn der Behörden auf sich gezogen. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis im September 2010 hatten die örtlichen Behörden ihn in der östlichen Provinz Shandong unter Hausarrest gestellt. Am 22. April floh er jedoch mit Hilfe von Unterstützern aus dem Hausarrest und fand vorübergehend Zuflucht in der US-Botschaft in Peking.

    Nach langwierigen Verhandlungen mit den chinesischen Behörden verließ der 40-Jährige nach sechs Tagen die diplomatische Vertretung wieder und wurde in eine Klinik gebracht, wo er wegen einer Verletzung behandelt wird. Er fühlt sich in China aber nicht sicher und will gemeinsam mit seiner Familie in die USA ausreisen. Dem selbstausgebildeten Anwalt wurde ein Stipendium angeboten, um an der Universität New York Jura zu studieren.

    Am Montag hatte Chen der AFP gesagt, es seien bisher keine Beamte zu ihm gekommen, um die notwendigen Formulare für die Ausreise auszufüllen. Am Donnerstag sagte er, die Behörden hätten ihm versprochen, den gegen seinen Neffen Chen Kegui erhobenen Vorwurf des Mordversuchs zu überprüfen. Chen Kegui war festgenommen worden, nachdem er in seinem Haus einen Beamten mit einem Messer verletzt hatte, der nachts in sein Haus eingedrungen war.

    Chen hat seit seiner Flucht den örtlichen Behörden wiederholt vorgeworfen, sich an seinen Verwandten für seine Flucht rächen zu wollen. Nach Angaben der Gruppe Verteidiger der Menschenrechte in China wurde Ende April sein älterer Bruder Chen Guangfu von der Polizei verhört und misshandelt. Demnach befinden sich auch mehrere weitere Familieangehörige unter Überwachung. Chen selbst steht mit seiner Familie in dem Krankenhaus in Peking praktisch unter Arrest.

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