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    Das falsche Gesicht der 'grünen Revolution'

    Berlin (dapd-hes). Die Studentin Neda wurde vor drei Jahren zum Symbol des Widerstands der Iraner gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Ein Facebook-Foto der jungen Frau, die bei dem Aufstand ums Leben kam, ging um die Welt. Aber es war das falsche Bild - es war das der Universitätsdozentin Neda Soltani. Sie war verwechselt worden, einer Namensähnlichkeit zum Opfer gefallen. Die meisten Medien gaben sich keine Mühe, den Irrtum aufzuklären. Als Folge musste die damals 32-Jährige ihre Heimat verlassen, kam über Umwege nach Deutschland und lebt heute in der Nähe von Frankfurt am Main.

    Das fragliche Foto entsteht im Sommer 2009 kurz vor Beginn der Proteste gegen Ahmadinedschad, dem Wahlbetrug vorgeworfen wird. Neda Soltani, Dozentin für englische Literatur an einer Hochschule in der Nähe von Teheran, soll einen Vortrag bei einer Fachtagung in Griechenland halten. Sie benötigt ein Visum und dafür ein Bild. Weil das Foto ihren Freunden und ihrer Familie so gut gefällt, lädt sie es auf ihrer Facebook-Seite hoch.

    Politik interessiert die junge Frau damals nur am Rande, zur Wahl am 12. Juni geht sie nicht. Von ihrem angeblichen Tod wenig später erfährt sie erst am nächsten Morgen - an dem Abend, an dem Neda Agha-Soltan stirbt, ist sie mit Freundinnen aus.

    Vom Tod der Studentin Neda existiert ein Video, das sich in rasch in sozialen Netzwerken verbreitet. Ein Name sickert durch: Neda Soltani. Irgendjemand - wer, lässt sich nicht mehr rekonstruieren - findet auf Facebook das Foto der Literaturdozentin: Die Proteste haben ein Gesicht bekommen, das einer hübschen jungen Frau. Innerhalb kürzester Zeit wird das Bild in so gut wie allen internationalen Medien gezeigt.

    Neda Soltani versucht, den "Albtraum ohne Erwachen" zu stoppen, aber vergeblich: Weder große Fernsehanstalten noch Zeitungen nehmen eine Korrektur vor, auch nicht, als ein Foto der 'echten' Neda Agha-Soltan veröffentlicht wird. "Hier in Deutschland haben sich ein paar Medien gemeldet und sich entschuldigt für den Fehler", sagt sie im dapd-Interview. "Von den internationalen großen Medien, zum Beispiel CNN, Fox News, The Guardian etc., die meiner Meinung nach verantwortlich sind für den Missbrauch meines Fotos, hat sich niemand gemeldet."

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    Für die Anglistin hat die Nachlässigkeit der Medien dramatische Folgen: Der iranische Geheimdienst wird auf sie aufmerksam, verhört sie, schüchtert sie ein, bedroht sie. Ihre Geschichte wird ihr nicht geglaubt, sie wird gedrängt, ein Geständnis zu unterschreiben, in dem sie sich selbst der Spionage bezichtigt und zugibt, die nationale Sicherheit des Irans verraten zu haben. Sie weigert sich, wird noch mehr unter Druck gesetzt - und ihr wird klar, dass sie das Land verlassen muss. Mit Hilfe von Freunden flüchtet sie zunächst nach Griechenland und von dort aus nach Deutschland: In Bochum leben entfernte Bekannte.

    Nach einem knappen Jahr in verschiedenen Flüchtlingsheimen wird ihrem Asylantrag stattgegeben. "Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit erhalten habe, hier in Deutschland zu bleiben und ein neues Leben aufzubauen", sagt sie der dapd. Der Neuanfang sei ein langer Prozess gewesen, "das ist nicht über Nacht passiert". Leider sei ihre berufliche Zukunft noch nicht gesichert. "Die deutsche Sprache ist natürlich immer noch ein Hindernis, ich kann Deutsch immer noch nicht so fließend wie Englisch, aber ich habe schon viele Fortschritte gemacht und glaube, dass sich das mit der Zeit noch weiterentwickelt."

    (Neda Soltani: "Mein gestohlenes Gesicht", Kailash-Verlag, ISBN 978-3-424-63049-7, 349 Seiten, 19,99 Euro)

    dapd

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