Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sieht wegen der strategischen Neuausrichtung der USA neue Aufgaben auf die Europäer zukommen. Das stärkere Engagement der USA im asiatisch-pazifischen Raum könnte dazu führen, "dass wir in Europa mehr Verantwortung bei der Regelung eigener Angelegenheiten übernehmen müssen", sagte de Maizière dem in Berlin erscheinenden "Tagesspiegel am Sonntag". Er rechne dabei aber nicht mit Bitten Washingtons um NATO-Beistand im Pazifik-Raum.
Die Hinwendung der USA nach Asien werde keine negativen Auswirkungen auf Europa haben, sagte der Minister. Die Europäer in der NATO könnten sich über die Lastenteilung "wirklich nicht beschweren". Während Europa noch vor wenigen Jahren die Hälfte der Ausgaben in der Allianz getragen habe, zahlten die USA heute mehr als zwei Drittel, sagte er. "Es gibt keinen Grund zu klagen, wenn sie das nun ein bisschen verändern."
Mitte Januar hatte die US-Regierung den geplanten Abzug von rund 7000 Soldaten aus Europa bestätigt. Zwei der vier in Europa stationierten Kampfbrigaden der Bodenstreitkräfte sollten abgezogen werden, wovon auch US-Standorte in Deutschland betroffen sein dürften.
Die USA stufen inzwischen die Volksrepublik China als größten strategischen Rivalen ein. US-Präsident Barack Obama, der in Hawaii geboren wurde und einen Teil seiner Kindheit in Indonesien verbrachte, bezeichnete sich mehrfach als "ersten pazifischen Präsidenten der USA". Kritiker werfen ihm vor, die Beziehungen zu Europa zu vernachlässigen.


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