Kassel (dapd). Vor den Künstlern arbeiten die Zimmerleute. Sie sägen und hämmern für die documenta 13. Im Park in der Kasseler Karlsaue entsteht ein Heer kleiner Ausstellungspavillons: Dutzende Holzhäuschen, in die bald Kunstwerke einziehen sollen. "Jedes bietet Platz für einen Künstler", sagte documenta-Pressesprecherin Henriette Gallus kürzlich. Spätestens am 9. Juni muss alles fertig sein. Dann beginnt die internationale Kunstausstellung.
Dass die documenta ihrem Start entgegen wächst, lässt sich auch an einem mächtigen Erdhügel beobachten. Er ragt aus der Karlswiese und ist mit Büschen bepflanzt. An seinem Fuß spachteln Arbeiter an einem Befestigungsring, eine junge Frau wässert den Rasen, der das Objekt umgibt. Was es sein soll? "Keine Ahnung", sagt ein Spaziergänger. "Mein Sohn ist sechs, wenn der eine Sandburg baut, sieht das ähnlich aus." Es ist kein ablehnender Kommentar. Er habe seine Dauerkarte für die documenta schon gebucht, berichtet der Kasseler: "Spannend ist, was daraus wird!"
So viel hat die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev schon verraten: Als documenta-Teilnehmer wurden nicht nur Kunstschaffende geladen. "Die meisten sind Künstler", verbreitet sie in einem Statement. Andere kämen aus der Wissenschaft, der Ökoarchitektur und -landwirtschaft, der politischen Theorie oder Literaturwissenschaft. Die Amerikanerin beschreibt die Ausstellung als einen andauernden Erfahrungs- und Erkenntnisprozess.
Für ebendiesen hat sie Wege quer durch die Kasseler Innenstadt gebahnt. Neben der Karlsaue sind mehr als zehn weitere Standorte bekannt: Klassiker wie das Fridericianum und die documenta-Halle werden genutzt, aber auch das Naturkundemuseum und der alte Kasseler Hauptbahnhof. Einige Orte werden für die Ausstellung aus dem Dornröschenschlaf geweckt: ein 50er-Jahre-Kino, das nicht mehr in Betrieb ist, und das sogenannte Hugenottenhaus. Das Gros der Werke sei extra für die Ausstellung geschaffen worden, erklärte Pressesprecherin Gallus vor wenigen Tagen: "Wir haben keine fertigen Werke eingeladen, sondern Künstler."
Nicht für die documenta geschaffen wurde die Skulptur "Idee di Pietra (Ansichten eines Steins)" des italienischen Künstlers Giuseppe Penone. Sie steht bereits seit Juni 2010 als Vorbotin der Ausstellung in der Karlsaue und stellt einen Stein dar, der in der Krone eines Baumes aus Bronze liegt. Eine kleine Stechpalme wächst an ihrem Fuß. In jüngster Zeit hat die Skulptur Gesellschaft bekommen. Der amerikanische Künstler Jimmie-Durham und die künstlerische Leiterin pflanzten je ein Apfelbäumchen. Ein Baum-Beet verbirgt sich auch hinter einem Bauzaun vor dem Kasseler Opernhaus. Noch ragen nur die Zweige sichtbar hervor. Der Rest ist mannshoch mit Absperrplane verhüllt.
Den Bauleuten im Auepark können die Spaziergänger zusehen. Eine Frau mittleren Alters rückt zu einem Holzhaus vor, das an die gezackte Dachstruktur mancher Fabriken erinnert. "Es sieht ein bisschen unfreundlich aus", findet sie. Vielleicht werde das Innere netter. Ein älteres Ehepaar wurde von den vielen Baustellen im Park überrascht. "Wir haben gerade gemerkt, dass das wohl für die documenta sein wird", sagt der Mann. Als er hört, dass je eine Hütte für je einen Künstler Ausstellungsraum bieten soll, freut er sich. Riesige Museen, sagt er, möge er sowieso nicht.
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