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    Der digitale Geldbeutel

    Bei Smartphones wird die Telefonierfunktion zunehmend zur Nebensache. Der neueste Trend bei den mobilen Alleskönnern: Bezahlen mit dem Handy. Die User beobachten die Idee vom virtuellen Geldtransfer allerdings lieber erst mal aus kritischer Distanz, wie eine Studie der Hamburger Unternehmensberatung Putz & Partner zeigt. Vor allem aufgrund von Sicherheitsbedenken lehnen drei Viertel der Deutschen das Bezahlen ihrer Einkäufe mit ihrem Smartphone ab. Was haben wir eigentlich davon, wenn wir Rechnungen statt mit barer Münze mit dem Mobiltelefon begleichen?

    Ein Argument der Visionäre des bargeldlosen Einkaufs: Man spart zwar nicht Geld, aber immerhin Zeit. Geht es nach den Revolutionären der mobilen Bezahlung, ist die Oma, die im Supermarkt genau dann in den dunkelsten Ecken ihrer Geldbörse nach Cent-Stücken fischt, wenn man es besonders eilig hat, ein Auslaufmodell. Ein mit Near Field Communication (kurz NFC) ausgestattetes Smartphone dagegen wird einfach an das entsprechende Terminal gehalten und schon ist die Ware per Lastschriftverfahren bezahlt. Drahtlos, berührungslos, wunschlos glücklich.

    Der Informationsaustausch zwischen Handy und Terminal erfolgt dabei über ein elektromagnetisches Feld. Mag sein, dass die erwähnte Großmutter auf ihre alten Tage nicht mehr auf das smarte Shopping-To-Go umschulen will, aber wenn die meisten Kunden mitspielen, sind Einkäufe in Zukunft in Sekunden abgeschlossen.

    Internet-Riese Google will mit seiner Google Wallet genannten Technik das Handy zur virtuellen Kreditkarte machen. In den USA werden Zahlungen mit Wallet bereits an mehr als 100.000 Stellen akzeptiert. Auch Apple will NFC-Technologie an Bord der nächsten iPhone-Generation holen. Die Telekom glaubt ebenfalls an seine Funk-Geldbörse "Mobile Wallet" und schätzt, dass schon 2016 mehr als 30 Prozent der Käufe per Smartphone abgewickelt werden. Kein Wunder, dass auch O2, Vodafone und die Sparkassen auch auf den Zug aufspringen.

    Einkäufe abwickeln, schneller als man "Sesam öffne dich" murmeln kann, lautet der Plan. Gemurmelt wird bereits jetzt. Allerdings darüber, wie sicher der Einkauf per Smartphone wirklich ist. Google versichert auf Nachfrage: "Die Sicherheitselemente gehen weit über das Maß an Sicherheit hinaus, das traditionelle Geldbörsen und Kreditkarten bieten." Tatsächlich wird der neue Funkstandard seinem Namen "Near Field Communication" gerecht: Die Reichweite für die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger liegt bei zehn bis allenfalls 20 Zentimetern. Digitale Langfinger müssten sich so auffällig verhalten wie ein guter alter Taschendieb, um diese Distanz zum Datenklau zu überwinden. So zumindest die Theorie der Befürworter des mobilen Bezahlens.

    Hacker und Sicherheitsexperten allerdings schlagen schon vor der Bewährungsprobe Alarm. Die Erfahrung lehrt: Die Ideen, wie man sensible Informationen trotz des Sicherheitsabstands illegal abfangen kann, sind meist ebenso kreativ wie die der Datenschützer - von Klebe-TAGS und Viren über die künstliche Erhöhung der Feldstärke (und damit Reichweite) bis zum Abhören der Signale mit einer leistungsstarken Antenne. Das Wettrüsten zwischen den Evangelisten der neuen Technologie und den Datendieben ist also bereits in vollem Gange.

    Aber nicht nur Datenklau ist ein Angstgegner der neuen Technik, sondern auch die Sorge um die Datenspeicherung. Selbst wenn diese ganz offiziell vom Anbieter des mobilen Shoppens betrieben wird. Die einst von den Usern bedingungslos geliebte Suchmaschine Google beispielsweise ist vielen mittlerweile als Datenkrake suspekt. Wer nicht will, dass Fotos von seinem Reiheneckhaus auf Google Maps Street View von neugierigen Betrachtern auf der ganzen Welt gesehen werden können, findet auch die Vorstellung nicht angenehm, dass Google sich alles merkt, was er eingekauft hat und diese Daten womöglich an externe Dienstleister weitergibt oder noch präzisere User-Profile erstellt, um den jeweiligen Handy-Nutzer mit maßgeschneiderter Werbung zu weiteren Käufen zu animieren.

    Google versichert allerdings, dass derzeit keine persönlichen Informationen darüber gespeichert würden, welche Produkte mit Google Wallet gekauft werden. Skeptiker werden vermutlich dennoch düstere Visionen von einer Zukunft haben, in der Google ihren Aufenthaltsort per GPS im Android-Handy mit den letzten persönlichen Einkäufen abgleicht, um ihm ein maßgeschneidertes Schnäppchen im Laden auf der anderen Straßenseite vorzuschlagen.

    Dass die meisten Handys noch nicht mit der NFC-Technik ausgerüstet sind, ist nicht das größte Problem der Anbieter von mobilem Einkauf. Bevor sich die Vorteile des Bezahlens per Smartphone den Kunden nicht deutlicher erschließen, werden wir alle wie die alte Dame im Supermarkt nach Kleingeld kramen. Was wir damit kaufen, bleibt unser Geheimnis. Vorerst.

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