Eine Umfrage der Meinungsforscher von TNS-Emnid belegt, dass deutsche Großunternehmen den Datenschutz zum Teil eklatant vernachlässigen. Das ist angesichts der Skandale um gestohlene Kundendaten und anderer Datenpannen verwunderlich. Laut der Untersuchung im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, bei der jeder vierte Datenschutzbeauftrage der 1000 größten deutschen Unternehmen befragt wurde, gaben zwar zwei Drittel der Befragten an, dass der Datenschutz in ihrem Unternehmen als wichtig oder sogar sehr wichtig erachtet werde. Aber offenbar schätzen hier die Datenschutzbeauftragten ihre Tätigkeit gewichtiger ein als sie es in Wirklichkeit ist. Ein typischer Fall von verzerrter Eigenwahrnehmung.
Denn schaut man genauer hin, so halten die Meinungsforscher fest, dass lediglich vier von zehn Firmen einen Datenschutzbericht anfordern. Bei einem Viertel der Firmen werden solche Berichte nur unregelmäßig erstellt, während in 35 Prozent der Unternehmen die Geschäftsleitung Datenschutzberichte nicht einmal in den Papierkorb zu werfen braucht, weil sie schlichtweg gar nicht erst erstellt werden. "In vielen Unternehmen ist das Interesse an der Arbeit des Datenschutzbeauftragten nach wie vor gering", sagt Birthe Görtz, die als Partnerin bei PwC das Thema Datenschutz verantwortet.
Viele Firmen stellen den Datenschutzbeauftragten nicht genügend personelle Ressourcen zur Verfügung. Kosten sparen ist nach wie vor das Gebot der Stunde - auch beim Thema Datenschutz. "Datenschützer sind oft Einzelkämpfer", sagt Görtz. Einsam und offenbar von der internen Kommunikation abgeschnitten, denn werden beispielsweise neue Datenverarbeitungssysteme eingeführt, so ist in nur 60 Prozent der Firmen die Expertise der Datenschutzbeauftragten gefragt.
Vielleicht tut man aber jenen Geschäftsführern unrecht, denen man vorwirft, sie achten die Rolle der Datenschutzbeauftragten zu wenig. Denn die Umfrage hat ergeben, dass in zwei von drei Fällen einer Datenschutzverletzung schlicht Unachtsamkeit die Ursache war. Bei vier von zehn Vorfällen war den Beteiligten noch nicht einmal bewusst, dass sie gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen haben.
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