Entdecken Sie Yahoo! mit Ihren Freunden

Entdecken Sie Nachrichten, Videos und andere Inhalte, die Ihre Freunde gelesen oder gesehen haben. Welche Ihrer Aktivitäten andere sehen, bestimmen Sie alleine.

Zuerst

WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Die Angst der Israelis vor den radikalen Siedlern

    Jüdische Siedler greifen Moscheen und sogar die israelische Armee an. Plötzlich wird in der Öffentlichkeit gefragt, ob sie sich denn alles erlauben könnten.

    In seinen 30 Jahren beim Militär habe er es noch nicht erlebt, dass Juden israelischen Soldaten so viel Hass entgegengebracht hätten, sagte Generalmajor Avi Mizrahi vom Zentralkommando im Westjordanland später, sichtlich schockiert. Seit es am Dienstag gleich zu mehreren gewaltsamen Übergriffen radikaler Siedler und ihrer Sympathisanten gegen israelische Soldaten kam, fragt sich das ganze Land, wie es so weit kommen konnte.

    Es begann mit 18 jungen Siedlern, die in das militärische Sperrgebiet nahe der Grenze zu Jordanien eingedrungen waren und sich in einem verlassenen Kloster im Jordanbett verschanzt hatten. Sie wollten wohl die Aufmerksamkeit der israelischen Sicherheitskräfte auf sich lenken und so die angekündigten Räumungen von illegal errichteten Siedlungsaußenposten verhindern.

    Kurz darauf randalierten rund 300 Aktivisten, einige mit verhüllten Gesichtern, auf einer Hauptstraße neben dem nach einer richterlichen Anordnung zur Räumung vorgesehenen illegalen Siedlungsaußenposten Ramat Gilad. Sie blockierten die Fahrbahn, bewarfen palästinensische Autos mit Steinen und beschimpften Soldaten.

    Gleichzeitig stürmten 50 jüdische Protestler eine Kaserne. Das heißt, eigentlich marschierten sie nur an den hilflosen Soldaten vorbei in den Kasernenhof. Dort zündeten sie Autoreifen an, warfen mit Molotowcocktails und Steinen und beschädigten die geparkten Militärfahrzeuge. Der Kommandeur und sein Stellvertreter wurden verletzt, als Randalierer die Tür ihres gepanzerten Wagens aufrissen und einen Stein hineinwarfen.

    Die Übergriffe seien geplant gewesen, sagte Generalmajor Mizrahi hinterher. "Wir wussten von ihren Plänen, und wir waren nicht überrascht", versicherte er.

    Doch wie konnte der Zwischenfall dann so außer Kontrolle geraten? Weshalb dauerte es so lange, bis die Polizei eintraf, und warum versuchten die Beamten gar nicht, die Täter festzunehmen, sondern scheuchten sie einfach weg? Und plötzlich wird in den Medien ganz offen die Frage gestellt, ob die Siedler sich denn alles erlauben könnten.

    Vor noch nicht einmal einer Woche starb der Palästinenser Mustafa Tamimi, weil ihm eine Tränengasgranate direkt ins Gesicht geschossen worden war. Er hatte bei einer Demonstration Steine auf ein Militärfahrzeug geworfen, die Soldaten schossen aus unmittelbarer Nähe – Tamimi habe schließlich Steine geworfen, lautete die Begründung der Armee.

    Jeder in Israel weiß deshalb, was passiert wäre, wenn ein Palästinenser die Tür zu einem Armeefahrzeug aufgerissen und die Insassen mit einem Stein angegriffen hätte. "Er hätte die Tat nicht überlebt", antwortete auch der ehemalige Verteidigungsminister und Brigadegeneral Benjamin Ben-Eliezer im Radio auf das Gedankenexperiment.

    Ben-Eliezer, der seine Wut kaum beherrschen konnte, forderte in ungewöhnlich harten Worten deshalb gar den Einsatz von Schusswaffen auch gegen Siedler und bezeichnete die Täter als Terroristen. Das sieht der ehemalige Vorsitzende der Arbeitspartei, Amram Mizna, genauso. Er forderte nun endlich Taten. Es sei nicht mehr genug, dass Siedlerführer und Rabbiner die Übergriffe halbherzig verurteilten.

    Die Täter kämen aus der Siedlergemeinschaft, sie seien einschlägig bekannt. Es sei nun an der Zeit, Namen zu nennen, forderte Mizna, der als Generalmajor während der ersten Intifada für das Westjordanland zuständig war.

    Aber die Armee scheint hilflos. Seit Jahrzehnten besteht ihr Auftrag darin, die jüdischen Siedler im Westjordanland zu schützen. Selbst illegale Außenposten, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, wurden von den Soldaten bewacht.

    So ist der Staat nicht unschuldig an der Wild-West-Mentalität im Westjordanland: Zu oft hat die Regierung in Jerusalem die Siedler bei kleineren und größeren Gesetzesbrüchen gedeckt und sie bis vor die obersten Richter verteidigt. Zudem steigt der Anteil junger Siedler in den Reihen des Militärs.

    Ein überproportionaler Prozentsatz neuer Offiziere entstammt dem nationalreligiösen Lager. Hinter geschlossenen Türen geben hochrangige Militärs längst zu, sie wüssten nicht mehr, ob sie sich bei politisch umstrittenen Entscheidungen auf alle Soldaten verlassen könnten.

    Die Armee will deshalb nun auch untersuchen, ob Soldaten die angreifenden Siedler mit Informationen versorgt hatten. Schon bei Siedlungsräumungen in der Vergangenheit war deutlich geworden, dass die Siedler über die geplanten Aktionen im Voraus verdächtig gut informiert waren.

    Ministerpräsident Benjamin Netanjahu möchte noch nicht von Terrorismus sprechen, es handele sich bei den Tätern eher um Anarchisten. Er kündigte allerdings eine Reihe von Maßnahmen an, um wieder Herr der Lage zu werden.

    So sollen Siedler künftig ohne Haftbefehl in Verwaltungshaft genommen und vor Militärgerichte gestellt werden, Soldaten sollen die Täter verhaften dürfen, und einzelne Unruhestifter sollen aus dem Westjordanland verbannt werden. In Wahrheit gibt es diese rechtsstaatlich zweifelhaften Befugnisse alle in ähnlicher Form schon, sie wurden gegen Juden nur nicht angewandt.

    Dabei hätte es längst Grund gegeben, gegen die zunehmende Gesetzlosigkeit im Westjordanland vorzugehen. Schon 2009 stellte ein UN-Bericht fest, die Zahl der Übergriffe von Siedlern gegen Palästinenser habe sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. In der Armeeführung hieß es damals, man habe es nicht mehr nur mit wenigen Dutzend, sondern mit Hunderten Tätern zu tun, und sie kündigte ein härteres Vorgehen an. Aber die Situation wurde eher noch schlimmer.

    Am Mittwoch, dem Tag nach den Unruhen, zerstörten Soldaten zwei Wohncontainer im Außenposten Mizpe Izhar. Es habe keinen Widerstand der Siedler gegeben, berichtete die Armee zufrieden. Dass die Zufahrtsstraße zum Außenposten mit Steinen, Nägeln und Metallstacheln präpariert worden war, wird wohl schon gar nicht mehr als Widerstand eingestuft.

    Und nur wenige Stunden nach der Räumung wurde in der Moschee im palästinensischen Dorf Burqa in der Nähe von Nablus ein Feuer gelegt, die Wände hatte jemand auf Hebräisch beschmiert mit den Worten "Mizpe Izhar", "Krieg" und "Tod". Der Brand wurde rechtzeitig gelöscht, es wurden nur Stühle und Teppiche beschädigt.

    Aber es geht längst nicht mehr um Einzelfälle. Am selben Tag hatten Siedler drei palästinensische Autos in verschiedenen Dörfern im Westjordanland in Brand gesetzt und Slogans auf den Bürgersteig gesprüht, in Yassuf fand eine palästinensische Familie Hassgraffiti auf ihrer Hauswand vor.

    In einer ehemaligen Moschee in Jerusalem wurde Feuer gelegt. "Mohammed ist ein Schwein" und "Ein toter Araber ist ein guter Araber" war dort an den Wänden zu lesen. Als die Polizei sechs der Tat verdächtige Jugendliche im religiösen Stadtviertel Kirijat Mosche verhaften wollte, kam es zu Handgemengen.

    Sogar in Tel Aviv wurde ein Polizeifahrzeug mit rechten Slogans besprüht und ein Büro der Armee mit Graffiti verunstaltet.

    In den vergangenen Monaten wurden mehrere Dutzend palästinensische Autos angezündet, muslimische und christliche Friedhöfe geschändet, mehr als zehn Moscheen verwüstet, zahlreiche linke Aktivisten bedroht und Hunderte Olivenbäume zerstört.

    Ein hochrangiger Militär im Westjordanland soll der Zeitung "Yedioth Aharonoth" gesagt haben, er verbringe heute mehr Zeit mit dem für radikale Siedler zuständigen Offizier des Inlandsgeheimdienstes als mit der Abteilung für palästinensischen Terror.

    Dennoch fällt es der Armee und der Polizei im Westjordanland offensichtlich sehr schwer, sich in solchen Fällen von der traditionellen Rollenverteilung zu verabschieden und in den jüdischen Siedlern Täter zu sehen. In 90 Prozent aller palästinensischen Beschwerden wegen Siedlergewalt kommt es heute nicht einmal zu einer Anklage.

    Quizaction

     

    7 Kommentare

    • Essweh83  •  vor 5 Monaten
      Mit den Siedlern in Israel ist es so wie mit verzogenen Kindern, wer einmal gelernt hat, Narrenfreiheit zu haben ist nur schwer davon zu überzeugen, dass er sich auf einmal doch an Regeln halten soll. So ein Erziehungsprozess dauert dann natürlich etwas und auch deswegen ist es besser so früh wie möglich mit Konsequenz die Regeln und Gesetze durchzusetzen.
      • Erwin Lindemann vor 4 Monaten
        Die Siedler sind die 7. Kolonne der israelischen Kriegstreiber. Man distanziert sich und füttert sie schön weiter.
    • Uwe  •  vor 5 Monaten
      Offensichtlich können sie es! Da diese Politik ja seit Jahrzehnten die Staatsdoktrin Israels ist! Im Übrigen, diese Leute als Siedler zu bezeichnen ist eine Verharmlosung des selbst gemachten Problems! Dieses ist leicht in den Griff zu bekommen wenn die Politik und das Militär genauso hart, und gegebenenfalls auch so grausam, gegen diese Leute vorgeht wie sie es bei den Palästinensern tut!!!
      • Waldegg vor 5 Monaten
        Träumerei, in Palästina Frieden zu erwarten. Jene Gruppe, welche in Israel das Heft in der Hand hat, wird nicht aufgeben, bis nicht der letzte Palästinenser (immerhin die Urbevölkerung des Landes bevor die Israeliten das Land Kanaan ca 1.300 Jahre vor der Zeitrechnung besetzten) seinen Platz geräumt hat. Dieser Machtanspruch wird unterstützt durch Kapital aus Amerika und amerikahöriger Dummheit aus Deutschland.
      • Lempira vor 5 Monaten
        Naja Urbevölkerung sind sie ja nicht, stimmt ja schon das die dort seit Jahrhunderten leben aber das Land Kanaan gehörte den Moabiter,Edomiter, Ammoniter,Amurritern,Hurritern . Die Palästineser sind eher Nachkommen der hebräer die im laufe der Geschichte das christentum und den Islam angenommen haben .
      • Erwin Lindemann vor 4 Monaten
        Schießwütige Halunken sind keine "Siedler". Schönfärberei ist das.
    • Erwin Lindemann  •  vor 4 Monaten
      Radikale Siedler sind eigene Züchtungen.
    • Nancy  •  vor 5 Monaten
      Solange, solche Unterschiede bestehen-
      1.Vor noch nicht einmal einer Woche starb der Palästinenser Mustafa Tamimi, weil ihm eine Tränengasgranate direkt ins Gesicht geschossen worden war. Er hatte bei einer Demonstration Steine auf ein Militärfahrzeug geworfen, die Soldaten schossen aus unmittelbarer Nähe – Tamimi habe schließlich Steine geworfen, lautete die Begründung der Armee.
      und
      2.Jeder in Israel weiß deshalb, was passiert wäre, wenn ein Palästinenser die Tür zu einem Armeefahrzeug aufgerissen und die Insassen mit einem Stein angegriffen hätte. "Er hätte die Tat nicht überlebt", antwortete auch der ehemalige Verteidigungsminister und Brigadegeneral Benjamin Ben-Eliezer im Radio auf daß Gedankenexperiment.
      -wird es dort nie Frieden geben, daß ist Apartheid-Politik, und daß ist 2allen Bekannt2, doch da schweigen die angeblichen Menschenrechtler
    • Lempira  •  vor 5 Monaten
      Bei anderen Beiträgen wo es um Palästineser geht die mit Steinen geworfen haben , melden sich diejenigen die es beführworten wenn diese erschoßen oder Lebenslang eingesperrt werden. Hier wo es um ,,Siedler ,, geht nicht einer der so ein verhalten kritisiert .
    • Dieter Lienau  •  vor 5 Monaten
      nun muss die Politik eine klare Linie fahren,und zwar für jederman ersichtlich, erst dann wird es so etwas wie Frieden geben.
      • Erwin Lindemann vor 4 Monaten
        Kriegstreiber ist doch wohl eine wirklich "klare Linie"!
    • Lempira  •  vor 5 Monaten
      Man braucht nur die ideologie der Zionisten verstehen um zu erkennen was für ein System dahinter steckt. Da wird deutlich wer keinen Frieden möchte bist nicht das ganze Land denen gehört
      Zitat :von Yitzhak Shamir isr Ministerpräsident in einer Rede vor judischen Siedlern 1.April 1988 .Die Palästineser würden verdrückt wie Heuschreken ..ihre Köpfe an Felsbrocken und Mauern zerschlagen

      Zitat :David Ben Gurion in seinen Tagebuch 18 Juli 1948 . Wir müssen alles tun um sicher zu gehen,dass die Palästineser niemals zurückkommen.Er versichert seinen getreuen Zionisten ,dass die Palästineser nie in ihre Häuser zurückkehren werden

      Zitat: Heilbrun,Präsident des Komitees zur Wiederwahl von General Shlomo Lahat ,des Tel Aviv Bürgermeisters Oktover 1983. Wir müssen alle Palästineser töten bis sie sich damit abfinden hier als sklaven zu leben.

      Zitat :Israel Koenig ,,The Koenig Memorandum.Wir müssen Terror ,Attentate ,Einschüchterungen ,Landnahme sowie Stop aller Sozialen Leistungen benützen ,damit Galiläa seine Arabische Bevölkerung los wird.

      Wollen zwar nicht mit Terroristen Verhandeln die meisten sind aber selber welche oder deren Kinder sitzen heute mit in der Regierung . Es wurde viel unternommen damit Israel als demokratische Staat anerkannt wird ,die Realität zeigt aber das es eher einen Apartheidsystem gleicht .
      • Erwin Lindemann vor 4 Monaten
        Die Zionisten sind eine inzwischen pervertierte Bewegung geworden. Ihre Anfänge sind mit den heutigen Vertretern nicht mehr gleichzusetzen.
    Suchen
    UMFRAGE

    Ist Gauck der richtige Mann für das Amt des Bundespräsidenten?

    Laden...
    Auswahloptionen bei der Umfrage