Die Rücktrittsankündigung von Präsident Theo Zwanziger hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) kalt erwischt. Selbst die Präsidiumskollegen hatte der 66-Jährige auf einer Sitzung am Freitag im Unklaren gelassen und erst auf einer Rede während der Jahresabschlussfeier des Verbandes in Neu-Isenburg über seine spektakuläre Entscheidung informiert - die allerdings schon wenige Minuten zuvor medial verbreitet wurde. Seitdem ist auch die Nachfolge-Diskussion in vollem Gange. "Kaiser" Franz Beckenbauer spricht sich bereits für Generalsekretär Wolfgang Niersbach aus.
Nicht besser als Zwanzigers Präsidiumskollegen erging es den leitenden Angestellten. Auch Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff wussten von nichts und wurden bei der Gruppenauslosung für die EM-Endrunde in Kiew erst kurz nach Ziehung der Lose von Niersbach telefonisch unterrichtet.
Entsprechend überrascht reagierten Löw und Bierhoff. "Wir bedauern diesen Schritt, aber wir respektieren eine persönliche Entscheidung. Wir haben mit Dr. Zwanziger immer gut zusammengearbeitet, wenn es um die Interessen der Nationalmannschaft ging", sagte Löw. Bierhoff äußerte: "Die Nachricht kommt für mich überraschend. Wir müssen sie akzeptieren."
Zwanziger hatte im Interview auf dfb.de auf die Frage, ob die vielfältigen Krisenszenarien (z. B. Fall Amerell, Schiedsrichter-Steueraffäre, Hooligan-Gewalt) der vergangenen Monate seine Entscheidung beeinflusst hätten, eingestanden: "Es wäre eine Lüge, wenn ich diese Frage mit 'Nein' beantworten würde. Jedes Spannungsfeld wird medial gleich zu einer Krise hochstilisiert, das kostet schon eine Menge Kraft."
Beckenbauer sprach bei Sky von "einer kleinen Verzweilungstat, weil es zuviel geworden ist". Die Arbeit als DFB-Präsident sei ein "Fulltimejob". Deutschlands Fußball-Lichtgestalt kommt für den Posten nicht infrage. Für den 66-Jährigen ist vielmehr der fünf Jahre jüngere Niersbach, ein Mitstreiter im WM-OK 2006, erste Wahl als Zwanziger-Nachfolger. "Wolfgang Niersbach ist natürlich einer, der alles kann, der bei der FIFA gerne gesehen ist, der bei der UEFA gerne gesehen ist. Es ist sehr wichtig, dass der DFB in diesen wichtigen Gremien bei UEFA und FIFA vertreten ist." Niersbach sei für ihn der "Beste", sagte der "Kaiser" beim Sportnachrichtensender Sky Sport News HD.
Über Liga-Präsident Reinhard Rauball, der ebenfalls als möglicher Nachfolgekandidat Zwanzigers gilt, sagte Beckenbauer: "Ich weiß nicht, ob Reinhard Rauball diesen sehr wichtigen und guten Posten bei der Liga als Ligapräsident hergibt." Kein Geheimnis ist, dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Ligaverband alles andere als zufrieden mit der öffentlichen Darstellung des DFB waren.
Dritter potenzieller Nachfolgekandidat ist nach SID-Informationen Rainer Koch (52), der Präsident des Süddeutschen Fußball-Verbandes (SFV). Hingegen dürfte Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß, über den ebenfalls schon als DFB-Boss spekuliert wurde, kein Interesse am Job in der Frankfurter DFB-Zentrale haben.


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