Berlin (dapd). Griechenlands neuer Politstar Alexis Tsipras hat die Bundesregierung vor einer humanitären Krise durch die europäische Sparpolitik gewarnt. Beim Besuch in Berlin am Dienstag forderte der Chef der radikalen Linksallianz Syriza weitere Hilfen für sein Land und verglich die derzeitige Situation mit dem Beginn des Nationalsozialismus, der auch eine wirtschaftliche Krise vorangegangen sei. Zugleich bekannte sich Tsipras zum Euro.
Seine Partei, die Radikallinke Allianz Syriza, war bei der Parlamentswahl in Griechenland Anfang Mai überraschend zweitstärkste Kraft geworden. Mitte Juni stehen jedoch wegen der geplatzten Regierungsbildung Neuwahlen an. Syriza ist weiter im Aufwind und könnte laut Umfragen Wahlsieger werden. Dennoch habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Gesprächsangebot ausgeschlagen?. Dazu sagte Tsipras: "Diejenigen, die nicht den Dialog suchen, haben wohl ein schlechtes Gewissen." Tsipras besuchte am Dienstag die Linksfraktion im Bundestag und hoffte auf Gespräche mit den Grünen und SPD-Chef Sigmar Gabriel.
Zugleich rief Tsipras die Deutschen dazu auf, eine "Katastrophe" in Europa abzuwenden. "Wir bitten um Ihre Solidarität", sagte Tsipras und forderte ein Ende der derzeitigen ineffizienten Sparprogramme. Sein Land befinde sich seit fünf Jahren im Abschwung. "Die Rettungspakete sind katastrophal." Er wendete sich auch direkt an die deutschen Steuerzahler. Weitere Hilfen für Griechenland seien auch in ihrem Interesse, sagte er. Dies bedeute aber nicht automatisch, dass Griechenland mehr Geld brauche. Doch die Hilfen müssten grundsätzlich neu organisiert werden.
Unter teils stehenden Ovationen von Abgeordneten der Linken sagte Tsipras: "Es tobt ein Krieg in Europa, wo auf der einen Seite die Banken stehen und auf der anderen Seite die Völker."
Als Abhilfe forderte er mehr Investitionen, die unter anderem durch eine Reichensteuer finanziert werden sollten. Linksparteichef Klaus Ernst stärkte Tsipras demonstrativ den Rücken. Er sagte, in Griechenland hätten nicht die Bürger, sondern die Millionäre über ihre Verhältnisse gelebt.
Die griechischen Radikallinken von Syriza stehen unterdessen zu einem Verbleib Griechenlands in der Eurozone. "Die Wahl von Syriza bedeutet nicht den Austritt aus dem Euro", sagte Tsipras. Allerdings habe auch seine Partei einen Notfallplan für einen möglichen Ausschluss der Griechen.
Das wichtigste sei aber nun, dass ganz Europa zusammenstehe. Ein eventueller Wahlsieg von Syriza bedeute eine Stabilisierung Europas, sagte Tsipras trotz europakritischer Proteste in seinem Land.
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