In New York hat der Prozess gegen den früheren Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Rajat Gupta, wegen Insiderhandels begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft Gupta vor, er habe dem wegen Insiderhandels verurteilten Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam Insidertipps gegeben. Rajaratnam ist ein langjähriger Freund Guptas. Richter Jed Rakoff sagte zum Auftakt, der Prozess werde drei bis vier Wochen dauern.
Der stellvertretende Staatsanwalt Reed Brodsky warf dem Angeklagten in seinem Eröffnungsplädoyer vor, seine "Pflicht und Verantwortung mit Füßen getreten und gegen das Gesetz verstoßen" zu haben. "Er hat seine Geheimnisse benutzt, um seinem Freund und Geschäftspartner Raj Rajaratnam zu helfen", sagte Brodsky. "Das ist, als würde man das Spielergebnis vor dem Ende des Spiels kennen."
Die Verteidigung bekräftigte Guptas Beteuerung, unschuldig zu sein. Anwalt Gary Naftalis warf der Staatsanwaltschaft vor, die Anklage basiere auf "Gerüchten", es gebe keinerlei Beweise für die Vorwürfe. Naftalis beschrieb seinen Mandanten vor den Geschworenen als Autodidakten, der aus Indien kam, sich seinen Platz in der US-Finanzwelt hart erarbeitete und nebenbei die Hälfte seiner Zeit für wohltätige Projekte aufwendete.
Gupta war von 1994 bis 2003 Chef von McKinsey, außerdem war er Verwaltungsrats-Mitglied von Goldman Sachs und Procter and Gamble. Sollte der Ex-Manager in allen sechs Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, muss er mit einer Strafe von 100 Jahren Gefängnis rechnen. Rajaratnam war im Oktober zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden - eine der höchsten Strafen, die in den USA wegen dieses Delikts jemals verhängt wurden. Rajaratnam hatte den Galleon-Hedgefonds gegründet und wurde für schuldig befunden, zwischen 2003 und 2009 millionenschwere Insidergeschäfte getätigt zu haben.


