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    Ein ominöser Schrank beschäftigt die Wagners

    Winifred Wagner und Hitler (Bild: dpa)Festspielzeit in Bayreuth - und in diesen Wochen rückt auch stets die Familie Wagner selbst in den Blickpunkt. In den Streit um einen Teil des Nachlasses von Winifred und Siegfried Wagner könnte jetzt aber Bewegung kommen. 

    Die Wagners sind eine in Deutschland einzigartige Familie - der Komponist Richard Wagner begründete einen Clan, der heute noch die Geschichte der Bayreuther Festspiele lenkt. Es gab engste Verstrickungen in die NS-Dikatur, es gab Intrigen, Trennungen, Streitereien. Und jetzt geht es ums Erbe. Aber nicht um Geld oder Immobilien. Es gibt - mal wieder - Streit um Briefe und andere Dokumente aus den Nachlässen der Protagonisten der Wagner-Familie. Kritik entzündet sich an der derzeitigen Festspielchefin Katharina Wagner. Um ihre Ankündigung, für Transparenz in der Familien- und Festspielhistorie zu sorgen, sei es still geworden, kritisieren Historiker. 

    Im Zentrum steht aber auch ein ominöser Schrank. In diesem Möbelstück soll, so geht die Legende, Amélie Hohmann, Enkelin der Hitler-Verehrerin Winifred Wagner, in München private Dokumente von Winifred und deren Mann Siegfried verwahren. "Seit Oktober 2011 mehrfach wiederholte Anfragen an die Besitzerin sind allerdings ins Leere gegangen und blieben inhaltlich unbeantwortet", betont Michael Brand, Katharina Wagners Anwalt. Doch jetzt könnte Bewegung in die Sache kommen. Bei ihm sei ein Schreiben eingegangen, dass sich die Schrankbesitzerin bis Ende der Woche erklären wolle, sagt Brand.  Es gibt Gerüchte, dass in dem Schrank die Korrespondenz Winifreds mit dem "Führer" liegen könnte, wie "Welt Online" berichtet. Was die beiden darin ausgetauscht haben könnten, wenn dem so ist, sorgt für viele Spekulationen.

    Siegfried ist eine komplizierte Angelegenheit. "Man muss fein differenzieren", sagt Brand. Der künstlerische Nachlass von Wagner-Sohn Siegfried gehört demnach zum Richard-Wagner-Nationalarchiv und ist hierüber auch wissenschaftlich zugänglich. 

    Der restliche Privatnachlass sei nach Winifred Wagners Tod den vier Familienstämmen zugefallen, also den Kindern und deren späteren Erben: Wieland, Friedelind, Wolfgang Wagner und Verena Lafferentz-Wagner. Letztere ist das einzige Kind Siegfrieds und Winifreds, das noch am Leben ist. 

          Kein großes Geheimnis machen die Familienstämme um die ehemalige Hausbibliothek des Hauses Wahnfried, die auch Teil des Erbes ist. Im Herbst vergangenen Jahres habe die Erbengemeinschaft der Familienstämme die Bitte des Historikers Hannes Heer erfüllt, im Zuge der Recherchen für seine Ausstellung "Verstummte Stimmen" diese Bibliothek einzusehen, erläutert Brand. 

    Anders verhält es sich mit jenen Dokumenten, die noch zu Lebzeiten von Winifred Wagner nach München zu ihrer Enkelin gebracht wurden. Sollte Katharina Wagner rechtliche Schritte erwägen, so geschehe dies, um zunächst die Herausgabe an die Erbengemeinschaft zu erwirken, sagt Brand. Dann könnten alle Familienstämme darüber verfügen. Katharina Wagner agiere in dem Fall als Erbin Wolfgang Wagners und damit als Mitglied der Erbengemeinschaft. 

    Winifred Wagner, die Ehefrau des Richard Wagner. (Archivbild von 1977, dpa)"Wir verfolgen das gespannt", kommentiert Sven Friedrich, wissenschaftlicher Leiter des Richard-Wagner-Nationalarchivs in Bayreuth, die derzeitigen Diskussionen. Als öffentliche Stiftung stehe es seiner Einrichtung aber nicht zu, Forderungen zu stellen. Ein öffentlicher Zugang zu den Münchner Dokumenten könne aber der "Legendenbildung einen Riegel vorschieben", gibt er zu bedenken. 

    Debatten gibt es auch um den Privatnachlass des langjährigen Festspielchefs und Wagner-Enkels Wolfgang Wagner. Seine Tochter Katharina Wagner hat zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier bei der Übernahme der Festspielleitung eine Aufarbeitung der Vergangenheit angekündigt. Dass von diesem Thema bald nichts mehr zu hören war, bedauern derzeit manche Historiker. 

    dpa



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