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    Enceladus: Gibt es Leben auf dem Saturnmond?

    Der kleine Saturnmond Enceladus interessiert Weltraumforscher schon lange. Denn auf ihm, so weiß man heute, gibt es Wasser, eine dünne Atmosphäre und verschiedene organische Chemikalien – und damit gute Voraussetzungen für die Entstehung von Leben.

    62 Monde umkreisen den Planeten Saturn – und einer ist merkwürdiger als der nächste. Auf Titan zum Beispiel gibt es Seen und ein offenes Meer aus kaltem Methan; Mimas wiederum wurde komplett von Kratern entstellt. Doch keiner von ihnen birgt so viele Geheimnisse wie der kleine weiße Mond Enceladus, der Saturn auf seinem äußersten Ring umkreist. Er gilt als einer der faszinierendsten Orte in unserem Sonnensystem. Und möglicherweise beherbergt er sogar Leben.

    Kalte Schönheit

    Raumforscher nennen Enceladus die „Eisprinzessin“. Tatsächlich ist der sechstgrößte Mond des Saturns eine kleine galaktische Schönheit: Sein strahlendes, von bläulichen Linien durchzogenes Weiß lässt ihn wie aus einem Science-Fiction-Film erscheinen. Auf Enceladus herrschen Temperaturen von minus 200 Grad, und deshalb spielt sich um seinen Südpol herum eines der erstaunlichsten Naturschauspiele unseres Sonnensystems ab. Urplötzlich schießen hier bis zu 750 Meter hohe Eisfontänen aus dem Boden empor – wie gefrorene Geysire.

    Solcher Kältevulkanismus, Wissenschaftler sprechen von Kryovulkanismus, ist nur bei Temperaturen von minus 150 Grad und weniger möglich. Zu den Eisfontänen kommt es, weil  im Inneren des Mondes gefrorenes Wasser lagert, das durch die starken Gezeitenkräften auf Enceladus erwärmt und verflüssigt und anschließend „herausgequetscht“ wird. Kaum an der Oberfläche, gefriert das Wasser wieder, und es kommt zu den eisigen Fontänen.  Die ausgestoßenen Partikel zieht Enceladus bei seinem Weg um den Saturn herum hinter sich her, wodurch sie einen der Saturnringe formen.

    Tiere unter dem Eis?

    Doch die Geysire sind nicht nur schön anzusehen, sie erzählen auch etwas über das, was noch im Inneren von Enceladus vor sich geht. Messungen der NASA-Sonde Cassini haben ergeben, dass die Fontänen neben Wasserdampf, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid auch organische Materialien enthalten. Darüber herrscht im Inneren von Enceladus eine Energie, die dem Ausstoß von zwanzig Kohlekraftwerken entspricht.

    Diese Kombination – flüssiges Wasser, eine Energiequelle und organische Stoffe – macht Enceladus zu einem der Orte in unserem Sonnensystem, an dem Wissenschaftler Leben vermuten, trotz seiner eisigen Temperaturen. Das Wasser in seinem Inneren könnte bislang unbekannte primitive Organismen, vielleicht sogar kleine Tiere beherbergen. Eine Begegnung mit außerirdischem Leben wäre dann noch in unserem Sonnensystem möglich und würde in greifbare Nähe rücken. Bis 2017 ist Cassini noch unterwegs – die Daten, die die Sonde in den kommenden Jahren zur Erde funken wird, werden deshalb mit Spannung erwartet.

    Foto: Ron Miller