Die reichste Frau Frankreichs, die fast 89-jährige L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt, wird entmündigt. Das entschied ein Vormundschaftsgericht in Courbevoie bei Paris. Die einzige Tochter der alten Dame, Françoise Bettencourt-Meyers, hatte die Entmündigung wegen fortschreitender Demenz ihrer Mutter beantragt.
Die alte Dame wird dem Gerichtsentscheid zufolge unter Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt, der 25 Jahre alt ist. Die Verwaltung ihres Vermögens wird der Tochter und ihren zwei Enkeln übertragen, wie die Anwälte Bettencourts und ihrer 58-jährigen Tochter mitteilten. Das Vermögen der Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L'Oréal wird laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" auf 17 Milliarden Euro geschätzt.
Die Anwälte der Milliardärin legten sofort Widerspruch ein. Trotz des Einspruchs bleibt der Gerichtsbeschluss zunächst in Kraft. Liliane Bettencourt hatte angekündigt, im Falle einer Entmündigung ins Ausland zu gehen. Tochter und Enkel versicherten umgehend, für den Kosmetikkonzern L'Oréal werde sich nichts ändern. Der zweite Hauptaktionär des Unternehmens ist der Schweizer Konzern Nestlé.
Im Juni hatten Ärzte in einem Gutachten festgestellt, die Milliardärin leide unter Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen. Zuletzt hieß es in einem medizinischen Gutachten laut der Interseite der Zeitung "Le Monde", die alte Dame leide unter einer langsam fortschreitenden Demenz. Demnach ist darin auch die Rede von "einer Alzheimer-Krankheit in einem gemäßigt ernsten Stadium". Gegen die ärztliche Einschätzung hatte die alte Dame ebenfalls Widerspruch einlegen lassen; darüber soll am 10. November entschieden werden.
Mehrere Versuche von Françoise Bettencourt-Meyers, ihre Mutter entmündigen zu lassen, waren zuvor gescheitert. Beide liefern sich seit Jahren einen erbitterten Familienstreit, weil die Tochter die alte Dame von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet sieht. So hatte sie dem Künstler François-Marie Banier vorgeworfen, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks erleichtert zu haben.
Der Streit hatte eine Reihe von Affären ausgelöst, die im vergangenen Jahr auch die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy erschütterten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L'Oréal-Hauptaktionärin vorgeworfen, illegale Parteispenden an die konservative Regierungspartei UMP übergeben zu haben. So untersuchte die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss. Der damalige Arbeitsminister und Schatzmeister der Regierungspartei, Eric Woerth, musste seine Posten räumen.


