Der neue Großflughafen Berlin Brandenburg (BER) wird nicht zum vorgesehenen Termin Anfang Juni in Betrieb gehen: Knapp vier Wochen vor der geplanten Eröffnung gab die Flughafengesellschaft die Verschiebung auf unbestimmte Zeit bekannt. Als Grund wurden Probleme beim Brandschutz genannt, bis auf weiteres bleiben nun die beiden bestehenden Airports Tegel und Schönefeld in Betrieb.
Der bisherige Eröffnungstermin, der 3. Juni, lasse sich wegen noch nötiger Tests bei den Brandschutzanlagen nicht halten, sagte der Chef der Flughafengesellschaft, Rainer Schwarz, in Schönefeld bei Berlin. Die Anlagen zum Brandschutz seien zwar installiert worden, befänden sich aber noch nicht in einem Zustand, der eine Abnahme erlaube. Ein neuer Termin zur Inbetriebnahme solle "nach der Sommerpause in Angriff genommen werden".
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte die Verschiebung "bedauerlich". Allerdings müsse ein "reibungsloser und absolut sicherer Betrieb" gewährleistet sein. Niemand müsse sich Sorgen machen, einen gebuchten Flug nicht antreten zu können, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Er sprach dennoch von einer "bösen Überraschung". "Das ist kein guter Tag für den Flughafen Berlin-Brandenburg", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er äußerte die Erwartung, dass der Flughafen nach den Sommerferien im August eröffnen wird.
Der neue Flughafen soll eine Startkapazität von 27 Millionen Passagieren haben. 2011 flogen von den beiden bestehenden Flughäfen, die ihren Betrieb ursprünglich zu Anfang Juni hätten einstellen sollen, aber nur rund 24 Millionen Passagiere ab. Die Flughafengesellschaft geht davon aus, dass auch die zusätzlichen Kapazitäten von den beiden alten Flughäfen übernommen werden können, wie Schwarz sagte. Über etwaige Schadenersatzansprüche müsse mit den Fluggesellschaften gesprochen werden. Die Verzögerung wird laut Berliner "Tagesspiegel" pro Monat Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro verursachen.
Die Lufthansa kündigte an, ihre Flüge weiter über den Airport Tegel abzuwickeln. Die Fluggesellschaft befinde sich in Gesprächen mit dem Flughafenbetreiber über entsprechende Zeitfenster für Starts und Landungen, sagte ein Lufthansa-Sprecher in Frankfurt am Main. Die Lufthansa halte an dem Ziel fest, mehr Flüge von und nach Berlin anzubieten.
Die Fluggesellschaft Airberlin reagierte "mit großer Enttäuschung" auf die Verschiebung. Die Airline müsse komplett umplanen, was für alle Beteiligten "gewaltige logistische Probleme" und "erhebliche noch nicht kalkulierbare Mehrkosten" bedeute.
Die Fertigstellung des seit rund 20 Jahren geplanten und 2,5 Milliarden Euro teuren Projekts hatte sich schon mehrfach verzögert. Es hatte zuletzt auch wegen der Proteste von Anwohnern gegen den zu erwartenden Fluglärm von sich reden gemacht.
Die verschobene Eröffnung wird weltweite Auswirkungen auf den Luftverkehr haben. "Wir müssen alle betroffenen Fluggesellschaften weltweit darüber informieren, dass sie ihre Abläufe ändern müssen", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Flugsicherung (DFS), Ralph Riedle, der "Financial Times Deutschland. Der Fall sei wegen der kurzfristigen Informationspolitik der Betreibergesellschaft sehr ungewöhnlich.



