Ein US-Unternehmen darf den ersten Versuch an embryonalen Stammzellen in Europa vornehmen. An dem Experiment würden zwölf Menschen teilnehmen, die an der Augenerkrankung Morbus Stargardt erkrankt seien, teilte das Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT) am Donnerstag mit. Der Versuch solle in Kürze in einer Klinik in London stattfinden, nachdem die britischen Behörden ihre Erlaubnis erteilt hätten. Morbus Stargardt ist eine seltene Erkrankung der menschlichen Netzhaut, die bei Jugendlichen zur vollständigen Erblindung führen kann. In Europa und in den USA sind zwischen 80.000 und 100.000 Menschen von ihr betroffen.
Einen ersten Versuch mit embryonalen Stammzellen startete ACT in den USA im November 2010. Damals hatten zwei US-Patienten daran teilgenommen. "Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und wir sind dabei, zwei neue Versuche mit zwei weiteren Patienten vorzubereiten", sagte Bob Lanza, leitender Wissenschaftler bei ACT. Tests an Ratten hätten zu einer Verbesserung der Sicht in 100 Prozent der Fälle geführt, und bei Mäusen hätten Versuche eine nahezu normale Sehfähigkeit bewirkt.
Die Nutzung embryonaler Stammzellen ist ethisch stark umstritten, weil dazu Zellen aus menschlichen Embryonen entnommen werden, die künstlich erzeugt wurden, dann aber keiner Frau eingepflanzt werden. Gegner der embryonalen Stammzellenforschung argumentieren, dass menschliches Leben bereits mit der Befruchtung der Eizelle beginne. Zahlreiche Wissenschaftler hoffen jedoch, mit der Methode langfristig Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Parkinson oder Rückenmarkverletzungen heilen zu können.


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