Die Eurokrise vermiest den deutschen Unternehmern zusehends die Laune. Im Juli verlor der ifo-Geschäftsklimaindex zum dritten Mal in Folge deutlich und nahm von 105,2 Punkten auf jetzt 103,3 Punkte ab, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Der Höhenflug beim deutschen Aufschwung sei vorbei, befanden die ifo-Experten.
Der Geschäftsklimaindex wird durch eine Befragung von 7000 Unternehmen erhoben, er gilt als wichtiges Indiz für die weitere Konjunkturentwicklung in Deutschland. Die nun erreichten 103,3 Punkte bedeuteten den niedrigsten Wert seit März 2010.
"Die Eurokrise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland", erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Unternehmen bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Aussichten für das kommende Halbjahr pessimistischer. Der Teilindex für die Lage ging von 113,9 Punkten im Juni auf jetzt 111,6 Punkte zurück. Der Teilindex für die Geschäftserwartungen von 97,2 Punkten auf 95,6 Punkte.
Ifo-Experte Kai Carstensen sagte dem Bayerischen Rundfunk, "wir sind erst mal 'runter von der hohen Aufschwungwelle." Zumindest für dieses Jahr seien "die ganz guten Zeiten" wohl vorbei. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin betonte, insgesamt verfüge die deutsche Wirtschaft strukturell über eine hohe Wachstums- und Widerstandsfähigkeit. "Unsere Lage ist robust." Die Chancen ständen gut, dass sich die vorsichtige Wachstumseinschätzung der Bundesregierung aus dem Frühjahr bestätige und die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 0,7 Prozent wachse.
Unterschieden nach Branche sorgte laut ifo alleine der Einzelhandel für einen Lichtblick. Hier stieg das Geschäftsklima den zweiten Monat in Folge, die Einzelhändler bewerteten sowohl ihre Lage als auch die Aussichten optimistischer. Dagegen bewerten die Großhändler zwar ihre Lage besser, sie sind aber pessimistischer für die Geschäfte bis Jahresende. Das Geschäftsklima im Großhandel nahm dadurch insgesamt ab.
Im als deutscher Wirtschaftsmotor geltenden Verarbeitenden Gewerbe trübte sich das Geschäftsklima besonders stark ein. Besonders die aktuelle Lage wurde erheblich ungünstiger eingeschätzt. So werden die Kapazitäten der Industriebetriebe deutlich weniger ausgelastet als zuletzt. Auch die weitere Entwicklung bewerten die Betriebe skeptischer. Die Exporterwartungen nahmen dabei allerdings nur leicht ab. Am Bau schätzen die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser ein, mit Blick auf die Zukunft sind sie aber viel skeptischer. Damit sank auch das Geschäftsklima am Bau.



