New York (dapd). Eines der berühmtesten Gemälde der modernen Kunst kommt in der Nacht zu Donnerstag unter den Hammer: in New York wird bei Sotheby's das Bild "Der Schrei" des Norwegers Edvard Munch versteigert. Experten gehen davon aus, dass das expressionistische Bild für mehr als 80 Millionen Dollar (60 Millionen Euro) den Besitzer wechseln könnte. Der Schätzpreis ist der höchste, der je für ein Pastell angegeben wurde. Es handelt sich um eines von vier Exemplaren des Gemäldes, das einen stilisierten Mann zeigt, der unter einem blutroten Himmel mit verzerrtem Gesicht einen Schrei ausstößt. Das 1895 von dem Norweger Munch gemalte Bild gilt als Symbol für die Ängste und Verunsicherung des modernen Menschen und ist bis hin zu T-Shirt- und Kaffeetassenaufdrucken populär geworden.
Die Nachfahren des jüdischen Kunstsammlers Hugo Simon haben die bevorstehende Versteigerung als unmoralisch kritisiert. Rafael Cardoso, der in Brasilien lebende Urenkel des Sammlers, sagte der Tageszeitung "Die Welt" (Mittwochausgabe): "Wir sind mit dem Verkauf nicht einverstanden." Sein Vorfahr sei in der Zeit des Dritten Reichs aus Deutschland geflohen und habe das Bild im Exil aus Not verkauft. Das zum Kauf stehende Gemälde gehört dem norwegischen Industriellen Petter Olsen. Die anderen Versionen befinden sich in norwegischem Staatsbesitz; eine zeigt das Nationalmuseum, die beiden anderen das Munch-Museum in Oslo.
Die New Yorker Version wird von Sotheby's als die farbstärkste und eindrücklichste beschrieben. Es ist auch die einzige Version, deren Rahmen vom Künstler selbst gestaltet wurde. Munch (1863 bis 1944) gilt als einer der herausragenden Vertreter der expressionistischen Kunst. Derzeit läuft in Frankfurt am Main in der Schirn-Kunsthalle eine viel besuchte Munch-Ausstellung unter dem Titel "Der moderne Blick".
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