In dem sich zuspitzenden Streit um das iranische Atomprogramm ist eine ranghohe Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu einer dreitägigen Mission im Iran eingetroffen. Die Experten wollen versuchen, Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Atom-Gespräche zu schaffen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, der Streit gefährde zunehmend die Stabilität in der Region.
Wie die amtliche Nachrichtenagentur Irna berichtet, sind bis Dienstag Gespräche der IAEA-Experten mit iranischen Vertretern geplant. Dem Bericht zufolge wird das Team um Chefinspekteur Herman Nackaerts zudem "wahrscheinlich" die Urananreicherungsanlage Fordo südlich von Teheran besuchen, in der Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden soll. Nackaerts sagte vor seinem Abflug, er hoffe, das Land werde mit der Behörde zusammenarbeiten. Ein Dialog sei "lange überfällig".
Die IAEA-Experten sollen bei dem dreitägigen Besuch versuchen, die zum Stillstand gekommenen Gespräche über das Atomprogramm wieder in Gang zu bringen. Der Westen wirft dem Iran vor, am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Im November hatte auch die IAEA diesen Verdacht geäußert. Teheran weist die Vorwürfe zurück.
Irans Außenminister Ali Akbar Salehi erklärte laut Irna, das Land habe immer "umfassend und eng" mit der Behörde zusammengearbeitet und stets Transparenz hergestellt. Er kündigte an, dass Atomunterhändler Said Dschalili "bald" einen Brief an die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton schicken werde, in dem der Iran Zeit und Ort für neue Gespräche vorschlagen werde.
Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani nannte den Besuch der Inspekteure einen "Test" für die IAEA. Wenn die Experten "professionell" agierten, werde sich "der Weg für eine Kooperation öffnen", sagte Laridschani laut der Website des staatlichen Senders IRIB. Sollten sie jedoch als "Instrument" des Westens handeln, sei die Islamische Republik "gezwungen", ein "neues Regelwerk" für die künftige Zusammenarbeit zu erwägen.
Im Streit um das Atomprogramm hatte die EU ein schrittweise in Kraft tretendes Ölembargo gegen Teheran verhängt. Als Reaktion wollte das iranische Parlament ursprünglich am Sonntag über einen sofortigen Stopp der Öllieferungen nach Europa beraten. Die Debatte wurde jedoch verschoben, wie der Sprecher des Energieausschusses, Emad Hosseini, der Nachrichtenagentur Mehr sagte. Bislang gebe es keine Gesetzesvorlage, sondern lediglich eine "Idee von Abgeordneten".
Der Chef der iranischen Ölgesellschaft, Ahmed Kalebani, sagte, der Iran könne seine Exporte an die EU jederzeit einstellen. Abnehmer in anderen Teilen der Welt seien bereit, das Öl zu kaufen, sagte er der Nachrichtenagentur Isna. "Entweder sie hören sofort auf, iranisches Öl zu kaufen, oder sie entscheiden sich für langfristige Beziehungen", sagte Kalebani mit Blick auf europäische Firmen.
Westerwelle rief Teheran auf, "von Handlungen abzusehen, die einer weiteren Eskalation Vorschub leisten". "Statt die Situation weiter rhetorisch anzuheizen, sollte sich der Iran endlich in der Sache zu Transparenz und substanziellen Gesprächen über sein Atomprogramm bereit zeigen", erklärte Westerwelle.


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