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    Experten widersprechen Aussagen von "Costa Concordia"-Kapitän

    Beschuldigter soll nicht alles Mögliche zur Rettung getan haben

    In der Voranhörung zu dem Unglück des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor neun Monaten haben Experten den Aussagen des beschuldigten Kapitäns Francesco Schettino widersprochen. Dieser habe entgegen seiner Aussage nicht alles in seiner Macht stehende getan, um die Passagiere zu retten, sagten die Sachverständigen am Freitag vor dem Gericht in Grosseto.

    Schettino hatte am Donnerstag ausgesagt, er habe bei dem Unglück am 13. Januar die Anker herabgelassen, um das Schiff in Position zu halten und es vor einem Abdriften zu bewahren. Der Sachverständige Alessandro Belardini, der im Juni zu dem Wrack hinabgetaucht war, sagte jedoch, die Anker hätten nicht gegriffen und den Kurs des Schiffs daher nicht beeinflusst. Nur durch sein eigenes Bewegungsmoment, Wind und Strömung sei die "Costa Concordia" an dem Platz vor der Küste der Insel Giglio zum Liegen gekommen.

    Belardini bestätigte zudem einen Bericht anderer Experten, nach dem der Strom auf dem Schiff drei Minuten nach dem Manöver ausfiel, mit dem Schettino der Insel einen traditionellen Seemannsgruß zu erweisen wollte.

    Ob der Kapitän angemessen handelte, nachdem er das Schiff anscheinend vor der vollständigen Evakuierung verlassen hatte, wurde von Sachverständigen und Anwälten heftig diskutiert. Am Donnerstag warf der Anwalt der Reederei Costa Crociere, Marco De Luca, Schettino vor, er habe die Schuld auf andere Crewmitglieder schieben wollen. Die Verantwortung für alle Entscheidungen liege beim Kapitän, daher sei Schettinos Verhalten "nicht sehr ehrenhaft", sagte er.

    Dem Kapitän droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Auch sechs weitere Crew-Mitglieder und drei Manager der Reederei, die zum US-Unternehmen Carnival gehört, könnten angeklagt werden. Der eigentliche Prozess beginnt wahrscheinlich im kommenden Jahr.

    Bei dem Unglück am 13. Januar starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche. Die "Costa Concordia" schrammte mit mehr als 4200 Passagieren an Bord einen Felsen und lief vor der Toskana-Insel Giglio auf Grund. Wegen Schwierigkeiten bei der Bergung liegt das Wrack bis heute vor der Küste.

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