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    Expertin: Frauen verstecken tote Babys meist in ihrer Nähe

    Zwei tote Babys auf Dachboden entdecktDrei Babys soll eine Frau in der Nähe von Bremen heimlich geboren und dann sterben lassen haben. Zwei von ihnen legte sie auf ihren Dachboden. Wieso behielt die Mutter die Leichen bei sich? Aus Verdrängung und Panik, meint eine Expertin. 

    Auf dem Dachboden, im Eisschrank oder vergraben im Garten - wenn Frauen ihre Babys nach der Geburt töten oder sterben lassen, verstecken sie die Leichen oft in ihrer Nähe. Nach Ansicht der Expertin für Kindstötungen, Theresia Höynck, treibt Panik die Täterinnen dazu. "Es handelt sich um eine spontane Lösung des Problems, über die auch hinterher nicht weiter nachgedacht wird", sagte die Jura-Professorin an der Universität Kassel in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. 

       Die Babyleichen in Ostertimke wurden auf dem Dachboden gefunden. Kommt es häufig vor, dass Frauen ihre toten Kinder in ihrer Nähe behalten? 

    Höynck: "Die Fälle, wo sie die Babys in ihrem Umfeld deponieren, sind natürlich die, die eher entdeckt werden. Deshalb ist nicht ausgeschlossen, dass hier eine gewisse Verzerrung vorliegt. Doch tatsächlich ist es bei den bekanntgewordenen Fällen sehr häufig so, dass die toten Säuglinge im nahen Umfeld abgelegt wurden." 

    Was bringt die Frauen dazu? 


       Höynck: "Das sind Delikte, die nicht geplant durchgeführt werden, sondern panisch. Die Frauen verdrängen die Schwangerschaft oder verleugnen diese. Das Kind wird alleine und für die Schwangere sehr plötzlich und überraschend geboren - und zwar da, wo sie gerade ist, typischerweise zu Hause. Dann wird das Baby auf die nächstliegende Weise an dem nächstliegenden Ort entsorgt. Wenn es versteckt wird, dann häufig nicht besonders gut." 

    Wieso leben die Frauen oft jahrelang mit der Babyleiche in ihrer Nähe? 

       Höynck: "Die Verdrängung bleibt in gewisser Weise erhalten. Das erklärt auch, warum es ganz selten, aber gelegentlich vorkommt, dass die gleiche Tat noch ein zweites oder auch drittes Mal passiert. Ich glaube nicht, dass das damit zu tun hat, dass die Frauen die Kinder in ihrer Nähe behalten wollen. Die toten Babys werden nicht liebevoll in ein Grab gelegt, sondern irgendwie aus den Augen geschafft." 

    Ist es wirklich möglich, eine Schwangerschaft vor dem eigenen Mann oder den Eltern zu verheimlichen? 

       Höynck: "Die Fähigkeit der Menschen zur Verdrängung ist enorm. Die Bereitschaft nicht zu sehen, was man nicht wahrnehmen will, ist ziemlich groß. Häufig handelt es sich bei den Täterinnen um unauffällige Frauen. Man käme bei ihnen nicht auf die Idee, dass sie lügen. Sie sind in aller Regel auch nicht psychisch kranke Menschen. Viele von den Frauen haben schon Kinder, für die sie ordentlich sorgen. Aus einer unglücklichen Verkettung von Umständen und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, die sonst nicht besonders auffallen oder wirksam werden, kommt es dann zu diesem Ausnahmezustand in der Wahrnehmungs- und Gefühlswelt." 

    dpa

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